Seit dem Ende von Windows 10 rollen viele Unternehmen neue Windows-11-Geräte aus, und dabei höre ich fast immer dieselbe Frage. Man möchte die wichtigsten Einstellungen und persönlichen Anpassungen der Benutzer möglichst reibungslos auf die neuen Geräte bringen, ohne die Anwender oder den IT-Support unnötig zu belasten. Genau an dieser Stelle setzt Microsoft mit Windows Backup for Organizations an, zumindest für einige typische Situationen im Lebenszyklus von Client-Geräten.
Windows Backup for Organizations sichert Einstellungen und Store-Apps, aber keine Dateien
Das Prinzip ist zunächst einfach. Einstellungen und Apps, die zum Windows-Benutzerprofil gehören, werden automatisch mit der Cloud synchronisiert, sobald das Gerät online ist. Richtet ein Benutzer später ein neues oder zurückgesetztes Gerät ein (OOBE), kann er entscheiden, ob er diese Einstellungen und seine Store-Apps wiederherstellen will. In vielen Tenants, die ich betreue, taucht der Bedarf vor allem bei Projekten zum Geräteaustausch oder bei geplanten Windows-11-Migrationen auf. Dort soll der Aufwand für Benutzer und Helpdesk so klein wie möglich bleiben.
Die Funktion hat allerdings klare Grenzen. Win32-Anwendungen, also klassische Desktop-Programme wie Office oder branchenspezifische Tools, gehören nicht zum Backup. Auch lokale Dokumente, Bilder und andere Benutzerdateien werden nicht gesichert; dafür sollte ohnehin OneDrive mit aktiviertem Known Folder Move der Standard sein (siehe OneDrive Known Folder Move mit Intune richtig umsetzen). Gesichert werden Store-Apps und Systemeinstellungen, also genau die kleinen, oft lästigen Unterschiede, die Benutzern nach einem Gerätewechsel sofort auffallen.
Ohne Entra Join und Windows 11 funktioniert die Sicherung nicht
Laut aktueller Ankündigung gelten für Windows Backup for Organizations vor allem diese Anforderungen:
- Das Gerät ist per Entra Join eingebunden (Azure AD ist Geschichte)
- Windows 11 (ab 22H2, Home wird nicht unterstützt)
- Konfiguration über Intune: Einstellungskatalog für das Backup und die Wiederherstellungsoption in den Windows Enrollment Settings
In meinen Projekten hat sich gezeigt, dass es ohne Entra Join keine Backup-Option gibt, weder bei hybrid eingebundenen Geräten noch bei rein lokalen Konten. Wie gut der Rollout gelingt, hängt außerdem stark davon ab, wie sauber die Richtlinien über Intune verteilt wurden.
Backup und Restore werden in Intune an getrennten Stellen eingeschaltet
Aktiviert wird Windows Backup for Organizations im Intune Admin Center. Für das Backup legt man im Einstellungskatalog eine Gerätekonfigurationsrichtlinie an und setzt dort Enable device backup auf „Enabled“. Die Wiederherstellung (Restore) schaltet man getrennt davon in den Windows-Enrollment-Einstellungen ein. Fehlt eine der beiden Einstellungen, taucht die Funktion im OOBE nicht auf.
In der Praxis passiert es häufig, dass die Backup-Policy zwar steht, der Restore aber nie ausdrücklich aktiviert wurde. Beim Einrichten neuer Geräte ist die Option dann ausgegraut. Das folgende Diagramm zeigt den Ablauf noch einmal im Überblick:
flowchart TD
Start["Gerät mit Intune-Richtlinien ausrollen"] --> Backup["Backup via Einstellungskatalog aktivieren"]
Backup --> RestoreSetting["Restore in Windows Enrollment aktivieren"]
RestoreSetting --> UserOOBE["User startet neues Gerät (OOBE)"]
UserOOBE --> Auswahl["Restore-Option erscheint im OOBE"]
Auswahl --> Fertig["Einstellungen & Store-Apps werden wiederhergestellt"]
Abbildung: So wird Windows Backup for Organizations in Intune-verwalteten Umgebungen konfiguriert und genutzt.
Praktischer Tipp: Damit die Restore-Option verlässlich erscheint, sollte man nach jeder Änderung an den Richtlinien ein Gerät im OOBE testen. Fehler fallen so auf, bevor der große Rollout beginnt.
Win32-Programme und Benutzerdaten brauchen weiterhin eigene Lösungen
Windows Backup for Organizations erleichtert den Geräteaustausch spürbar, ersetzt aber kein vollständiges Backup- oder Migrationskonzept. Win32-Programme und Benutzerdaten müssen nach wie vor über Intune, OneDrive oder andere Lösungen bereitgestellt werden. Wer noch Windows-10-Clients im Bestand hat und zügig auf Windows 11 umsteigt, sollte Backup und Restore fest in die vorhandene Gerätevorbereitung einplanen und daneben weiter auf gängige Werkzeuge wie Windows Backup und erprobte Intune-Mechanismen setzen.
Ob die Richtlinie auf einem verwalteten Windows-11-Gerät angekommen ist, zeigt ein kurzer PowerShell-Test:
# Prüfen, ob Windows Backup aktiviert ist
Get-ItemProperty -Path "HKLM:\SOFTWARE\Microsoft\Windows\CurrentVersion\DeviceBackup" -Name "IsEnabled"
Die Funktion ergänzt ein Migrationskonzept, ersetzt es aber nicht
Für Organisationen, die ihre Windows-11-Umgebung modern und cloudbasiert betreiben, halte ich Windows Backup for Organizations für einen praktischen Baustein. Beim Gerätetausch nach dem Ende von Windows 10 oder beim Ersatz defekter Geräte macht die Funktion die Benutzer zufriedener, vorausgesetzt, man kennt ihre Grenzen und testet die Intune-Integration gründlich. Für Benutzerdateien bleibt OneDrive der Standard, für die App-Verteilung ist Intune weiterhin das passende Werkzeug. Wer auf die Details achtet, spart im Lebenszyklus der Geräte spürbar Zeit.


