In vielen IT-Abteilungen wird gerade darüber diskutiert, was mit den alten Windows-10-Geräten passieren soll, wenn der Support endgültig ausläuft. Oft ist die Hardware noch brauchbar, doch Windows 11 läuft darauf nicht immer stabil oder wird mangels Treibern gar nicht erst unterstützt. Bei einigen Unternehmen, die ich begleite, hat das Supportende von Windows 10 die bisherige Endgeräte-Strategie gründlich durcheinandergebracht. Tauscht man die Geräte wie gewohnt aus, oder virtualisiert man lieber? An diesem Punkt setzen viele ihre Hoffnung auf den Windows 365 Cloud PC, etwa als Ersatz für herkömmliche Notebooks, für Shared Desks im Büro oder für Frontline-Szenarien, in denen sich mehrere Personen ein Gerät teilen.

Cloud PCs ersparen vielen Unternehmen den Hardwaretausch

Mich überrascht immer wieder, wie viele Unternehmen den Austausch kompletter Endgeräte-Flotten am liebsten umgehen würden. Dahinter stecken Nachhaltigkeitsgründe, aber ebenso die Kosten und der Aufwand eines Rollouts. Technisch wären viele Windows-10-Rechner noch zu gebrauchen, sie haben lediglich ein Problem mit dem Betriebssystem. Cloud PCs lösen das recht elegant: Die Anwender bekommen einen persistenten, aktuellen Windows-11-Desktop aus der Cloud, den sie von fast jedem Gerät aus erreichen, selbst von Thin Clients oder alten Laptops. Verwaltet wird bequem über Intune (Devices → Windows 365), App-Deployment und Conditional Access eingeschlossen, genau wie bei physischen Rechnern. In gemischten Umgebungen mit BYOD- oder Leihgeräten ist das ein echter Vorteil. Wer sich genauer mit Lizenzoptionen, Kostenstruktur und Cloud-only-Szenarien befassen möchte, findet weitere Informationen in meinen Beiträgen zur Sicherheit von Azure Virtual Desktop und zum Supportende von Windows 10.

Windows 365 Link macht Altgeräte zu dedizierten Cloud-Terminals

Besonders interessant finde ich Windows 365 Link, das seit dem Frühjahr 2025 allgemein verfügbar ist. Ein dediziertes Gerät, meist ein beliebiges, nicht mehr vollwertiges Windows- oder Thin-Client-System, wird dabei mithilfe der Link-Software praktisch zum Terminal für den persönlichen Cloud PC des Nutzers. Für Shared-Desk-Umgebungen oder für Mitarbeitende ohne eigenen festen Rechner ist das eine sehr praxisnahe Möglichkeit. Angemeldet wird man in der Regel per QR-Code oder mit einer einfachen Nutzerkennung, und nach der Sitzung ist das Gerät wieder im sauberen Ausgangszustand. In Frontline-Szenarien, etwa in Filialen oder im Lager, habe ich Link-Pilotprojekte erlebt, die die üblichen Probleme mit geteilten Geräten elegant beseitigt haben. Bei den Lizenzen sollte man allerdings genau hinsehen. Windows 365 Link setzt pro User eine Windows-365-Cloud-PC-Lizenz voraus. Für klassische geteilte Geräte im Mehrschichtbetrieb ist die Windows-365-Frontline-Lizenz dagegen oft günstiger und flexibler. Hier teilt sich ein Pool von Nutzern den Zugriff auf Cloud PCs (z. B. im Verhältnis 3:1), sodass nicht jeder einzelne User dauerhaft lizenziert sein muss.

Beim Netzwerk stehen Microsoft-Hosting und Azure-Anbindung zur Wahl

Interessant wird es bei der Netzwerkarchitektur und der Verwaltung. Für den Windows 365 Cloud PC gibt es zwei Varianten. Das Microsoft-gehostete Netzwerk passt zu kleineren Unternehmen, die keine eigene Azure-Infrastruktur betreiben. Bei der Azure-Netzwerkverbindung dagegen werden die Cloud PCs in das bestehende Unternehmensnetz eingebunden und über Azure-VNETs angeschlossen. Diese Variante lohnt sich vor allem, wenn besondere Anforderungen an Sicherheit, Compliance oder Routing bestehen. In Intune (Geräte → Windows 365) erkenne ich sofort, welcher Cloud PC auf welchem Netzwerktyp läuft, und rolle Policies, Updates und Compliance-Checks wie gewohnt aus. Wer bereits Azure Virtual Desktop einsetzt oder es plant, sollte die Unterschiede bei Kosten, Flexibilität und Verwaltung gründlich gegeneinander abwägen.

Vor der Entscheidung hilft dieses vereinfachte Ablaufdiagramm, das die wichtigsten Komponenten und Zugriffswege zeigt:

flowchart TD
Endgerät["Altes Gerät/Thin Client"] --> Link["Windows 365 Link"]
Link --> CloudPC["Windows 365 Cloud PC"]
CloudPC --> Netzwerk["Microsoft/Unternehmensnetzwerk"]
CloudPC --> Intune["Intune Verwaltung"]
CloudPC --> CA["Conditional Access"]

Abbildung: Vereinfachter Weg von Windows 365 Link bis zum Zugriff auf den Cloud PC und zu dessen Verwaltung.

Im Diagramm ist zu sehen, dass Windows 365 Link als „Brücke“ zwischen dem Altgerät und dem persistenten Cloud PC fungiert. Management, Netzwerk und Security greifen dabei genauso wie bei einem herkömmlichen Endgerät.

Conditional Access sichert den Cloud PC wie einen physischen Rechner ab

Für die Security bedeuten die Möglichkeiten rund um Conditional Access und Zero Trust bei Cloud PCs einen deutlichen Fortschritt. Die Windows-365-App ist seit Januar 2025 eine eigene Anwendung und lässt sich wie jede andere Cloud-Anwendung per Conditional Access schützen, zum Beispiel mit Standortregeln, MFA oder Compliance-Prüfungen. In vielen Tenants beobachte ich, dass sich die Policies für klassische Desktop-Zugänge mittlerweile nahezu 1:1 auf Cloud PCs übertragen lassen. Sehr praktisch finde ich, dass man für sensible Umgebungen festlegen kann, ob der Zugriff auf die Windows-365-Cloud-PC-App ausschließlich aus dem Firmennetz oder nur von bestimmten Geräten aus erlaubt ist.

Mein Tipp: In Intune (Windows 365 → Geräteeinstellungen) lohnt es sich, granulare Compliance-Richtlinien zuzuweisen. Damit lassen sich auch Altgeräte, die als Link-Terminal dienen, gezielt absichern und ihre Zugriffe auf den Cloud PC im Bedarfsfall sperren.

Wer mehr über Conditional-Access-Strategien für unterschiedliche Gerätetypen erfahren möchte, findet die Details in meinem Beitrag Best Practices für Conditional Access.

Windows 365 und Azure Virtual Desktop folgen unterschiedlichen Kostenmodellen

Bleibt die Frage nach den Kosten und danach, wie sich der Windows 365 Cloud PC gegenüber Azure Virtual Desktop (AVD) schlägt. Eine pauschale Antwort gibt es aus meiner Sicht nicht. Windows 365 lässt sich monatlich gut kalkulieren (pro User und Cloud PC, Infrastruktur inklusive), was gerade mittelständischen Unternehmen die Budgetplanung und Kostenkontrolle erleichtert. AVD kann im reinen Nutzungsmodell günstiger ausfallen. Dafür ist das Management deutlich aufwendiger: Man braucht eigenes Azure-Know-how und eine VNET-Konfiguration, und abgerechnet wird nach tatsächlicher Nutzung (Storage, Compute und Lizenzierung eingeschlossen). Für typische Office-Arbeitsplätze, die dauerhaft laufen, fährt man mit Windows 365 meist günstiger und stabiler. Wer hingegen große Pools, temporäre Sessions oder besondere App-Hosting-Szenarien braucht, ist mit AVD häufig flexibler. Rechnen sollte man deshalb im Einzelfall, und ein belastbarer Kostenvergleich orientiert sich immer an den realen Nutzungsprofilen.

Der Cloud PC ist ein Zukunftsmodell mit mehreren Varianten

Ein Allheilmittel ist der Windows 365 Cloud PC für mich nicht. Er ist aber eine zeitgemäße und flexible Antwort auf den Druck, den der Lebenszyklus von Hardware und Betriebssystem nach dem Supportende von Windows 10 erzeugt. Mit Windows 365 Link und den Frontline-Varianten gibt es für fast jedes Arbeitsplatzszenario ein passendes Modell, ob Shared Desk, hybrides Team oder Frontline-Einsatz mit wechselnden Nutzern. Wer noch mit Windows 10 arbeitet, sollte spätestens jetzt die ESU (Extended Security Updates) und Alternativen wie Cloud PCs ernsthaft prüfen. Einen kompakten Einstieg bietet mein Beitrag Windows 10 End of Support: Ein Jahr ESU. Für eine sichere Cloud-Desktop-Lösung empfehle ich, Netzwerkdesign, Zugriffssteuerung und Kostenstruktur sorgfältig zu planen. Dann kann Windows 365 ein echter Gewinn sein.