In vielen Unternehmen ist der 13. Oktober 2026 seit Langem als Stichtag vorgemerkt, denn heute endet das erste Jahr der Windows 10 Extended Security Updates (ESU). Wer noch Windows 10 Pro, Enterprise oder Education betreibt, muss jetzt festlegen, wie es weitergeht. Das zweite ESU-Jahr ist spürbar teurer als das erste, und die Lizenz muss neu gekauft und mit einem neuen MAK-Key aktiviert werden. Für private Endgeräte gab es das Consumer-ESU-Programm für Windows 10; es läuft heute vollständig aus. Wer für die verbliebenen Windows-10-Geräte keinen funktionierenden Patchplan hat, holt sich damit endgültig ein Risiko ins Haus.
Die Aktivierung für Jahr 2 läuft wie gewohnt, braucht aber einen neuen Schlüssel
Im Grunde funktioniert die Aktivierung des zweiten ESU-Jahres so wie im Vorjahr. Zunächst kauft man die Lizenz für Jahr 2 und verteilt den dazugehörigen MAK-Key im Unternehmen. Technisch bleibt alles beim Alten: Das ESU-Add-on-Paket wird installiert, anschließend trägt man den neuen Schlüssel auf den betroffenen Geräten ein. Microsoft erklärt das Vorgehen ausführlich unter enable-extended-security-updates. Ist der MAK-Key abgelaufen oder ab dem 13. Oktober 2026 nicht erneuert, kommen keine neuen Security-Patches mehr auf die Geräte. Welche Rechner die neue Aktivierung noch nicht erhalten haben, verrät zuverlässig der Windows-Update-Fehlercode 0x800F0831.
In gemischten Umgebungen, in denen etwa ältere und neuere Windows-Versionen nebeneinander laufen oder verschiedene Lizenzmodelle im Spiel sind, sollte man Lizenzvergabe und Aktivierung lückenlos dokumentieren. Gerade in großen Tenants rutschen sonst einzelne Geräte trotz ESU-Berechtigung durch, weil der MAK-Key nicht sauber eingespielt wurde oder das Reporting schlicht Lücken hat.
Eine Inventur zeigt, wo noch Windows 10 läuft
Aus meiner Erfahrung lohnt sich eine vollständige Liste aller noch produktiv genutzten Windows-10-Geräte fast immer, und sie fördert oft Überraschungen zutage. Am bequemsten erstellt man sie mit Intune. Unter Geräte → Windows lässt sich gezielt nach Betriebssystemversionen filtern, sodass die letzten Windows-10-Builds sichtbar werden. Ist Windows Autopatch im Tenant aktiv, ziehe ich zusätzlich dessen Berichte heran. Sie führen die bereits migrierten Geräte auf, zeigen aber ebenso die Ausreißer mit Windows 10, die aus technischen oder organisatorischen Gründen noch nicht auf Windows 11 umgestellt sind.
Wer in Intune schnell einen Überblick braucht, legt am besten benutzerdefinierte Filter nach OS-Version an, zum Beispiel so:
# In Intune Geräteverwaltung → Filter erstellen
# Bedingung: Gerätebetriebssystem enthält '10.'
Wie viele Altgeräte tatsächlich noch im Bestand sind, weiß häufig niemand genau. Vor allem bei Frontline-Geräten, Kiosks oder Rechnern mit Spezialanwendungen stößt man immer wieder auf Windows-10-Systeme, die im Tagesgeschäft kaum jemandem auffallen. Ein Abgleich mit den Asset-Listen aus anderen Systemen bringt hier manchmal zusätzliche Klarheit.
Für jedes Altgerät muss eine eigene Entscheidung fallen
Damit ist die Ausgangslage geklärt, offen bleibt der weitere Weg. Mit ESU Jahr 2 steigt der Druck, denn die Kosten klettern und das Ende von ESU Jahr 3 rückt unaufhaltsam näher. Jedes einzelne Gerät verdient deshalb eine nüchterne Bewertung:
flowchart TD
Bestand["Windows 10 Gerät entdeckt"] --> Support["Support benötigt?"]
Support -->|"Nein"| Ausmustern["Stilllegen oder ersetzen"]
Support -->|"Ja"| Kompatibel["Win11 kompatibel?"]
Kompatibel -->|"Ja"| Upgrade["Upgrade auf Windows 11"]
Kompatibel -->|"Nein"| ESU2["ESU Jahr 2 aktivieren"]
ESU2 --> CloudPC["Cloud PC Option prüfen"]
Ausmustern --> CloudPC
Upgrade --> Fertig["Fertig"]
CloudPC --> Fertig
Abbildung: Entscheidungsbaum für Windows 10 ESU Jahr 2 – Upgrade, Verlängerung oder Cloud PC.
Im Alltag fällt die Entscheidung selten so eindeutig aus wie im Diagramm. Manche Geräte braucht man aus Compliance-Gründen noch eine Weile, andere laufen bloß als Speziallösung weiter. Bei Hardware, die sich nicht auf Windows 11 bringen lässt, sollte man Windows 365 Cloud PC als Ersatz prüfen, besonders für einfache Büro- oder Spezialarbeitsplätze. Wer diese Möglichkeit ernsthaft durchspielt, kommt oft ohne ESU-Lizenzen aus und kann die Anwendungen trotzdem länger nutzen.
Mit Autopatch- und Intune-Berichten behält man den Überblick
In Umgebungen mit Windows Autopatch rate ich dazu, die monatlichen Geräteberichte genau durchzugehen. Daraus geht sehr detailliert hervor, welche Geräte noch mit Windows 10 laufen und ob sie schon für ESU Jahr 2 aktualisiert sind. In größeren Installationen bewährt sich eine eigene Auswertung, über die man die betroffenen Geräte anschließend per Gruppen steuert. Ohne Autopatch sollte man wenigstens die Standardberichte in Intune regelmäßig abrufen und mit den gekauften Lizenzen vergleichen.
Den Aufwand für die jährliche Reaktivierung des ESU-Keys unterschätzen viele Unternehmen. Wer für jedes Gerät festhält, welcher MAK-Key verwendet wurde, und im Patch-Management-System eine Erinnerung hinterlegt, spart sich im Ernstfall viel Zeit und Ärger.
Weiterführend empfehle ich den Beitrag Windows-10-Supportende – ein Jahr ESU, der die Schwierigkeiten und Alternativen der letzten Patchzyklen beschreibt.
Für weiteren Aufschub ist jetzt kein Platz mehr
Mit dem Beginn von Windows 10 ESU Jahr 2 sind die Ausreden aufgebraucht, und wer noch Altgeräte betreibt, muss handeln. Immer wieder erlebe ich, dass die ESU-Verlängerung aus purer Bequemlichkeit gebucht wird, obwohl sich die Geräte technisch ersetzen ließen. Eine sichere und wirtschaftliche Migrationsstrategie steht auf einer ehrlichen Inventur, einer klaren Entscheidung für jedes einzelne Gerät und einer ernsthaften Prüfung von Alternativen wie Windows 365. Wer ESU Jahr 2 benötigt, sollte die Aktivierung jetzt sauber erledigen; alle anderen tun gut daran, sich ganz auf den Abschied von Windows 10 zu konzentrieren. Das nächste Supportende steht schneller vor der Tür, als man glaubt.
Mehr zur Aktivierung und zu den aktuellen Voraussetzungen steht im Microsoft-Learn-Artikel zu Extended Security Updates und im Beitrag zu Microsoft 365 Apps unter Windows 10 nach dem Supportende.


