In Projekten werde ich immer wieder gefragt, was nach dem offiziellen Supportende von Windows 10 am 14. Oktober 2025 eigentlich mit den Microsoft 365 Apps passiert. Microsoft hat angekündigt, dass die Microsoft 365 Apps auf Windows 10 noch bis zum 10. Oktober 2028 Sicherheitsupdates bekommen. Das klingt erst einmal beruhigend, hält einer näheren Betrachtung aber nur bedingt stand. Gerade dort, wo Windows 10 hartnäckig weiterläuft, erlebe ich viele Missverständnisse über die tatsächlichen Risiken und Einschränkungen. Es lohnt sich, genauer hinzusehen, denn wer Windows 10 länger nutzen will, trifft damit weit mehr als eine reine Lizenzentscheidung.

Nach Oktober 2025 bekommen die Microsoft 365 Apps unter Windows 10 nur noch Sicherheitsupdates

Microsoft hat klargestellt, dass der Support für Office 2016 und Office 2019 am 14. Oktober 2025 endgültig ausläuft (zu den Details). Die Microsoft 365 Apps, früher Office 365 ProPlus, erhalten auf Windows 10 zwar weiterhin monatliche Sicherheitsupdates. Das Betriebssystem darunter fällt ohne Extended Security Updates (ESU) ab diesem Datum allerdings ebenfalls aus dem Support (Hintergründe zu den ESU für Windows 10). Neue Funktionen und Feature-Updates für die Apps sind auf Windows 10 nicht mehr garantiert. Im Alltag bedeutet das, dass Stabilität und Sicherheit auf einem Mindestniveau bleiben, während der Abstand zu Windows 11 mit jeder neuen App-Funktion wächst.

Oft wird dabei übersehen, dass jeder Supportfall ab Oktober 2025 unter erschwerten Bedingungen läuft. Tritt ein Problem mit den Microsoft 365 Apps auf Windows 10 auf, wird Microsoft stets darauf verweisen, dass das Betriebssystem offiziell nicht mehr unterstützt wird, und zwar auch dann, wenn ESU gebucht ist. Funktionsfehler, Performance-Probleme oder Inkompatibilitäten untersucht Microsoft dann in aller Regel nicht mehr, sondern weist sie mit Verweis auf das Supportende ab.

Auch ein langsamer Update-Kanal bringt Windows 10 keine neuen Funktionen

Verbreitet ist die Annahme, man könne die Lage mit einem „langsamen“ Update-Kanal entschärfen, etwa indem man auf den Current Channel (Preview) verzichtet und stattdessen den Monthly Enterprise Channel nutzt. Doch auch der Monthly Enterprise Channel liefert auf Windows 10 nach Oktober 2025 nur noch Sicherheitsupdates und keine neuen Features. Microsoft entwickelt die Microsoft 365 Apps ausschließlich mit Windows 11 als primärer Plattform weiter (Überblick über die Update-Kanäle). Wer mit Windows 10 arbeitet, verzichtet damit auf die Integration neuer Services, auf Verbesserungen bei Copilot und auf die Unterstützung neuer Dateiformate.

In Umgebungen mit Compliance-Vorgaben oder Integrationen von Drittanbietern wird das schnell zum Problem. Add-ins werden nicht mehr zertifiziert, neue Authentifizierungsmethoden funktionieren unter Umständen nicht, und die Kompatibilitätsprobleme mit anderen Microsoft-Diensten nehmen zu. Nach und nach entstehen so Insellösungen und Workarounds, deren Pflege viel Aufwand kostet.

Aus der Praxis kann ich nur raten, die Entscheidung für den Weiterbetrieb von Windows 10 mit den Microsoft 365 Apps ausdrücklich als Risiko zu dokumentieren. Haltet darin alle Einschränkungen bei Support, Feature-Updates und der Unterstützung durch Drittanbieter fest. Eine solche Dokumentation hilft euch bei Audits enorm und bewahrt euch im Eskalationsfall vor bösen Überraschungen.

Supportfälle unter Windows 10 werden zum Risiko für den Betrieb

Die Microsoft 365 Apps gehen auf Windows 10 in einen Zustand über, der dem „Extended Support“ ähnelt, und das bringt im Betrieb mehrere Fallstricke mit sich. Am Support ändert sich Grundlegendes. Kompatibilitätsprobleme werden nicht mehr behoben, und Microsoft darf einen Supportfall ohne Analyse schließen, wenn der Fehler unter Windows 10 auftritt. Besonders heikel ist, dass auch ein aktives ESU für Windows 10 keinen Anspruch auf erweiterten Support für die Apps begründet. ESU schützt allein vor gravierenden Sicherheitslücken im Betriebssystem, gegen Funktionsverluste oder Probleme mit den Apps hilft es nicht.

In vielen Tenants müssen sich die IT-Teams deshalb auf mehr Selbsthilfe und mehr Workarounds einstellen, dazu auf einen Testaufwand, der mit jedem App-Update steigt. Denkt daran, dass Microsoft alle neuen Funktionen der Microsoft 365 Apps, die ab Oktober 2025 erscheinen, ausschließlich für Windows 11 testet und optimiert. Vor allem bei Funktionen rund um Microsoft 365 Copilot, Teams, Outlook oder SharePoint dürfte das Zusammenspiel mit Windows 10 spätestens 2026 ernsthaft hakeln.

Office 2016 und Office 2019 sind keine Ausweichlösung mehr

Manche setzen ihre Hoffnung auf „den guten alten Office-Client“. Office 2016 und Office 2019 erreichen ihr Supportende jedoch ebenfalls endgültig am 14. Oktober 2025 (mehr dazu). Ab dann liefert Microsoft weder Sicherheitsupdates noch Fehlerbehebungen und leistet auch keinerlei Unterstützung mehr, ganz gleich, auf welchem Betriebssystem diese Versionen laufen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hat Office 2016 oder 2019 im produktiven Einsatz nichts mehr verloren, auch nicht als „feste Installation“ auf Altgeräten.

Auch wer über Office LTSC 2021 oder Office LTSC 2024 nachdenkt, sollte wissen, dass der Supportzeitraum dort klar begrenzt ist und keine neuen Funktionen zu erwarten sind. Für moderne Zusammenarbeit, die Integration von Copilot oder aktuelle Sicherheitsstandards kommen diese Versionen schlicht nicht infrage.

Die verlängerten Sicherheitsupdates rechtfertigen keinen Weiterbetrieb von Windows 10

Im Kern bleibt der Weiterbetrieb von Windows 10 ab Oktober 2025 ein kontrolliertes Risiko, daran ändern weder die Microsoft 365 Apps noch ESU etwas. Die Apps sind zwar „irgendwie“ aktuell, zukunftsfähig sind sie auf diesem System aber ganz sicher nicht. Die tägliche Arbeit wird mühsamer und anfälliger für Fehler. Wer argumentiert, es gebe doch noch Sicherheitsupdates, greift zu kurz. Moderne Funktionen von Microsoft 365, neue Integrationen und ein reibungsloser Support sind auf Windows 11 ausgerichtet.

Eine Migration mag aufwendig sein, die Alternativen sind aber teuer, riskant und auf Dauer nicht tragbar. In meinen Projekten empfehle ich deshalb unmissverständlich, spätestens 2025 auf Windows 11 umzusteigen, sofern Microsoft 365 produktiv genutzt wird. Wer zwingend auf Altanwendungen angewiesen ist, sollte ESU nur als kurze Brücke verstehen und eine klare Exit-Strategie mitbringen.

flowchart TD
    a["Windows 10"] --> b["Microsoft 365 Apps"]
    a --> c["ESU (optional)"]
    b --> d["Sicherheitsupdates bis 2028"]
    b -.-> e["Keine neuen Features"]
    b -.-> f["Eingeschränkter Support"]
    g["Windows 11"] --> h["Microsoft 365 Apps"]
    h --> i["Alle Updates und Support"]

Abbildung: Die Microsoft 365 Apps auf Windows 10 bekommen weiterhin Sicherheitsupdates, eine Zukunft haben sie dort aber nicht.

Die Frist bis 2028 ist eine Gnadenfrist und kein Freifahrtschein

Für mich steht fest, dass die Sicherheitsupdates für die Microsoft 365 Apps auf Windows 10 bis 2028 keine Einladung zum Weiterbetrieb sind. Microsoft gewährt den Unternehmen damit eine Gnadenfrist, um ihre Migrationen abzuschließen, mehr steckt nicht dahinter. Wer jetzt abwartet, zahlt später mit hohem Supportaufwand, frustrierten Anwendern und verpassten Chancen zur Modernisierung. Plant also die Migration, dokumentiert die Risiken sauber und nutzt die verbleibende Zeit, bevor sich die Lücke zwischen alter und neuer Welt nicht mehr schließen lässt.