Mitte April hat Microsoft mit dem sogenannten „Frühlings-Release“ (Wave 2 spring) eine ganze Reihe von Neuerungen für Microsoft 365 Copilot angekündigt. Damit löst Microsoft in vielen Tenants endlich ein, was seit Monaten im Raum steht: Copilot Researcher und Analyst, die ersten Reasoning Agents, gehen in die Preview, allerdings vorerst nur über das Frontier-Early-Access-Programm. Parallel rollt Microsoft Copilot Notebooks, einen Agent Store, eine verbesserte Bildgenerierung unter „Create“ und Copilot Search aus. In den Kundenumgebungen, die ich begleite, sorgt das für reichlich Gesprächsstoff. Man will wissen, wie man an die neuen Funktionen kommt und wer was testen oder produktiv nutzen darf. Und ich als Admin muss mir überlegen, wie ich die Kontrolle behalte und die Erwartungen auf ein realistisches Maß bringe.
Researcher und Analyst stehen bisher nur als Early Access bereit
Für Admins sind die beiden neuen Copilot-Agenten Researcher und Analyst die eigentliche Neuheit. Sie bauen erstmals auf sogenannten Reasoning Agents auf, die Aufgaben selbstständig zerlegen, Informationen zusammentragen und auch komplexe Analysen erledigen. Researcher nutzt dafür Unternehmensdaten ebenso wie Webquellen. Analyst ist auf strukturierte Daten spezialisiert, wertet sie aus und bereitet sie grafisch auf (z. B. Excel oder Tabellen in OneDrive bzw. SharePoint).
Am 23. April 2025 hat Microsoft unmissverständlich mitgeteilt, dass Researcher und Analyst zunächst nur über das Frontier-Programm als Early Access verfügbar sind. Wer diesen Zugang hat – meist größere Unternehmenskunden oder Teilnehmer ausgewählter Programme –, findet die neuen Agenten in der Microsoft 365 Copilot App und in Copilot Chat. Der allgemeine Rollout kommt später, ein konkretes Datum nennt Microsoft bislang nicht. Copilot Notebooks, Copilot Search und der neue Agent Store erreichen dagegen schrittweise alle Copilot-Nutzer:innen. Wann sie im eigenen Tenant auftauchen, hängt wie üblich von der Tenant-Region und vom Service-Status ab.
Admins steuern den Zugriff über Frontier-Programm und Agent Store
Die größte Aufgabe für viele Admins ist derzeit die Zugriffssteuerung. Wer am Frontier-Programm teilnimmt, muss Lizenzen und Berechtigungen gezielt vergeben, denn die neuen Agenten erscheinen in der Copilot-App, in Copilot Chat und im Agent Store. Es lohnt sich, die offizielle Übersicht zur Copilot-Erweiterbarkeit und -Verwaltung zu lesen. Dort steht genau, wie die Agenten im Tenant verteilt werden und welche Einstellungen das Admin Center dafür bereithält. Vor allem der Agent Store kann sich mittelfristig zu einer Quelle von Schatten-IT entwickeln, wenn Richtlinien und Freigaben nicht sauber geregelt sind.
Diese Stellschrauben sind im Moment die wichtigsten:
- Frontier-Programm: Researcher und Analyst sehen nur eingeladene Tenants. Zugewiesen wird über das Microsoft 365 Admin Center → Copilot.
- Agent Store: Hier aktiviert oder deaktiviert man eigene und von Microsoft bereitgestellte Agenten. Zu prüfen sind Rollenzuweisungen und DLP-Richtlinien für Agenten.
- Copilot Notebooks und Copilot Search werden nach und nach im ganzen Tenant sichtbar. Deshalb kommt es hier besonders auf Monitoring und Kommunikation an.
- Lizenzanforderungen: Sämtliche neuen Funktionen setzen nach wie vor eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz voraus.
Ausführlicher gehe ich im Beitrag Copilot-Agenten verwalten: Kontrolle, Freigaben, Kosten auf das Agenten-Management ein.
Die neuen Agenten greifen auf Arbeitsdaten und teils auf das Web zu
Welche Daten die neuen Agenten tatsächlich verwenden, wird oft unterschätzt. Researcher stützt sich auf die bekannten Copilot-Mechanismen, nutzt aber – sofern so konfiguriert – neben den eigenen Arbeitsdaten (E-Mail, OneDrive, SharePoint, Teams) auch Webquellen. Grundsätzlich können also sensible Informationen in Suchanfragen und Zusammenfassungen einfließen, solange die anfragende Identität auf diese Daten berechtigt ist. Analyst verarbeitet strukturierte Daten und verlässt den Tenant-Scope nicht. Für Analyse, Interpretation und Visualisierung greift er aber auf die Fähigkeiten der Copilot-Plattform zurück.
Das folgende einfache Diagramm zeigt, wie die Daten zwischen Nutzer:in, Copilot Researcher, Analyst und den Datenquellen fließen:
flowchart LR
User["User"] --> CopilotApp["Copilot app"]
CopilotApp --> AgentStore["Agent Store"]
CopilotApp --> Researcher["Researcher"]
CopilotApp --> Analyst["Analyst"]
Researcher --> WorkData["Work Data"]
Researcher --> Web["Web"]
Analyst --> WorkData
Abbildung: So greifen Copilot Researcher und Analyst über die Copilot-App und den Agent Store auf Daten zu
Wichtig dabei: Die feingranularen Zugriffsrechte, die für Copilot bereits eingerichtet sind (z. B. SharePoint Search Restriction, Sensitivity Labels, DLP), gelten auch für die neuen Agenten. Wer ganz sichergehen will, überprüft die aktuellen Einstellungen und gleicht sie mit den Hinweisen zur Copilot-Datenfreigabe und Governance ab.
Eine Copilot-Lizenz bleibt Voraussetzung für alle neuen Funktionen
Alle genannten Funktionen erfordern weiterhin eine gültige Microsoft-365-Copilot-Lizenz. Eine mögliche Ausnahme ist die Bildgenerierung im „Create“-Tab, falls dafür OpenAI-Credits nötig sind. Für Researcher und Analyst braucht es zusätzlich Frontier Early Access. Wer ausrollt oder testet, sollte früh und deutlich sagen, dass Ende April 2025 ausdrücklich kein allgemein verfügbarer Rollout vorliegt und die Funktionen in den meisten Tenants noch nicht vorhanden sind.
Praxistipp: In vielen Projekten hat es sich bewährt, neue Copilot-Agenten und ihre Datenzugriffe zunächst ohne Risiko in einem separaten Test-Tenant zu prüfen, bevor Nutzer:innen produktiv damit arbeiten. Dabei lassen sich auch gleich die DLP- und Compliance-Einstellungen kontrollieren.
Copilot Notebooks (Preview) eignen sich außerdem gut, um umfangreiche Aufgaben zu gliedern und gemeinsam daran zu arbeiten. Auch hier sollte man genau im Blick behalten, wo Daten abgelegt werden und wer darauf Zugriff hat.
Der Frühling kommt vorerst nicht in jedem Tenant an
Mit dem Frühlings-Update rund um Copilot Researcher und Analyst kommt Microsoft 365 Copilot den Agenten, die sich viele IT-Abteilungen wünschen, ein gutes Stück näher. In der Praxis bleibt jedoch eine spürbare Lücke: Ohne Teilnahme am Frontier-Programm bekommt man die neuen Reasoning Agents noch nicht zu sehen. Für alle anderen sind Copilot Notebooks, Copilot Search und der Agent Store die eigentlichen Neuerungen. Bei ihnen kommt es darauf an, genau zu steuern, aufmerksam zu beobachten und offen zu kommunizieren, was im Tenant geschieht. Spätestens jetzt braucht es für Datenzugriffe und Agenten-Verwaltung ein belastbares Governance-Modell. Was Wave 2 darüber hinaus bringt, beschreibe ich ausführlich im Beitrag Microsoft 365 Copilot Wave 2: Neue Funktionen, neue Fragen; weitere Hintergründe finden sich in der offiziellen Übersicht zu Copilot.


