Am 24. September 2025 hat Microsoft bekannt gegeben, dass die Anthropic-Modelle Claude Sonnet 4 und Claude Opus 4.1 in Microsoft 365 Copilot verfügbar sind, vorerst für Kunden im Frontier-Programm. Viele Microsoft-365-Admins hat diese Wendung überrascht. Seitdem stehen die Anthropic-Modelle im Copilot in den Release Notes, beschäftigen aber ebenso interne Teams-Chats und Datenschutz-Workstreams. Vor allem in Tenants, die den Researcher-Agenten in Microsoft 365 Copilot bereits nutzen oder eigene Agenten in Copilot Studio bauen, sorgt die neue Modellauswahl für Gesprächsbedarf. Gefragt wird vor allem, wie man die Modelle aktiviert, was das für den Datenschutz bedeutet und wie man das Thema sauber mit Betriebsrat und Security abstimmt.

Copilot kann erstmals mit Claude-Modellen von Anthropic arbeiten

Über das Frontier-Programm erlaubt Microsoft im Copilot erstmals, statt der GPT-Modelle auch Claude-Modelle von Anthropic zu verwenden. Gedacht ist das gezielt für Rechercheaufgaben im Researcher-Agenten und für individuelle Agenten in Copilot Studio. Ein Selbstläufer ist die Aktivierung trotzdem nicht. Die Anthropic-Modelle laufen außerhalb der Microsoft-Rechenzentren und damit auch außerhalb der Microsoft EU Data Boundary. Jede Anfrage, die Claude Sonnet 4 oder Opus 4.1 verarbeitet, verlässt also die gewohnte Umgebung, und für die Daten gelten dann die Nutzungsbedingungen von Anthropic. In der aktuellen Copilot-Datenschutzdokumentation stellt Microsoft selbst klar, dass Freigabe und Nutzung in der Verantwortung des Kunden liegen. Wer Claude aktiviert, muss deshalb genau prüfen, ob die eigenen Datenschutzprozesse und Dokumentationen dazu passen, gerade bei sensiblen Daten und Exportbeschränkungen.

Im Admin Center schaltet ein einzelner Schalter die Modelle frei

Die Anthropic-Modelle im Copilot lassen sich erfreulich einfach aktivieren, allerdings erst nach einem deutlichen Warnhinweis. Im Microsoft 365 Admin Center gibt es seit Kurzem unter Copilot-Einstellungen → AI-Anbieter die Option „Anthropic Claude Modelle aktivieren“. Admins können die Modelle für Researcher und Copilot Studio nur freischalten, wenn sie ausdrücklich zustimmen. Ab Werk ist der Schalter deaktiviert. Microsoft macht damit unmissverständlich klar, dass die Organisation die Verantwortung trägt.

Vor einem Test sollte man festhalten, welche Anwendungsfälle wirklich davon profitieren und wie die Modelle mit (womöglich vertraulichen) Daten umgehen. In meinen Projekten zeigt sich immer wieder, dass IT, Datenschutz und Betriebsrat eng zusammenarbeiten müssen, bevor ein neuer externer KI-Anbieter produktiv geht. Hilfreich ist dabei die Übersicht der Datenflüsse, die Microsoft im Copilot Admin Center grafisch aufbereitet und die ich im folgenden Diagramm vereinfacht nachzeichne:

flowchart TD
  User["User Prompt"] --> Copilot["Microsoft 365 Copilot"]
  Copilot --> Claude["Anthropic Claude Model"]
  Claude --> Copilot
  Copilot --> M365Data["Microsoft 365 Data"]

Abbildung: So fließen die Daten, wenn der Copilot Anthropic-Modelle nutzt – Anfragen verlassen das Microsoft-365-Umfeld und werden bei Anthropic verarbeitet.

Die Nutzerdaten nehmen damit einen anderen Weg als bei der rein Microsoft-internen Verarbeitung. Dieser Punkt gehört in jeder Datenschutzfolgeabschätzung offen auf den Tisch.

Datenschutz und Betriebsrat brauchen eine offene Dokumentation

Spätestens jetzt müssen viele Admins technische Unterlagen und eine datenschutzrechtliche Einordnung für den Einsatz von Anthropic vorlegen. Für den Großteil der Copilot-Prozesse sichert Microsoft weiterhin eigene Datenschutzstandards zu (mehr dazu in meinem Beitrag zur Datenresidenz). Bei den Anthropic-Modellen richtet sich die Datenverarbeitung aber nach den Regeln von Anthropic und nicht nach Microsofts EU Data Boundary. Wer die Modelle aktiviert, sollte die Datenschutzdokumentation deshalb mindestens um einen passenden Eintrag ergänzen. Am besten beschreibt man darin klar, welche Daten für welche Aufgaben und unter welchen Bedingungen an Claude gehen dürfen. Für den Betriebsrat sind diese Unterschiede relevant, weil die Verarbeitung Mitbestimmungspflichten berühren und externe Risiken mit sich bringen kann. Aus meiner Erfahrung hilft es, im Einführungsprozess ausdrücklich auf den Schalter im Admin Center, die Exportwege und die Nachvollziehbarkeit über die Audit-Logs hinzuweisen.

Praxis-Tipp: Wer Claude-Modelle nur für einzelne Agenten in Copilot Studio testet, kann die Freigabe auf wenige Nutzergruppen begrenzen und behält so den Rollout im Griff. Gesteuert wird die Zuweisung über die Berechtigungen für Agenten in Copilot Studio, idealerweise erst dann, wenn die Datenschutzprüfung abgeschlossen ist.

Detaillierte Anforderungen und Risikobewertungen beschreibt Microsoft in seiner Übersicht zu externen KI-Anbietern im Copilot, auf die ich hier gern verweise (AI Subprocessor Details).

Eigene Agenten in Copilot Studio können jetzt Claude nutzen

Sofern die Organisation den Schalter für Anthropic aktiviert hat, lassen sich in Copilot Studio jetzt eigene Agenten mit Anthropic-Modellen bauen. Das erweitert die Möglichkeiten in der Agentenentwicklung, verlangt aber für jeden einzelnen Agenten eine sorgfältigere Modellwahl. Häufig erlebe ich, dass Power-User und Entwickler Claude Opus 4.1 gern ausprobieren möchten, während Compliance-Teams erst einmal skeptisch bleiben. Wichtig ist, dass man das Modell im Agenten-Setup ausdrücklich auswählen kann und die Nutzung in den Audit-Logs nachvollziehbar bleibt. Wer die neuen GPT-5-Modelle im Copilot bereits einsetzt, sollte Leistung, Sprachverständnis und Datenschutz beider Varianten sorgfältig gegeneinander abwägen und das Ergebnis dokumentieren.

Sollen bestimmte Agenten aus Governance-Gründen ausschließlich mit Microsoft-Modellen arbeiten, empfehle ich, das in den Benennungsregeln und in der Agentenbeschreibung festzuhalten. Technisch trennen lässt sich das derzeit über Berechtigungszuweisungen und klare Richtlinien in Copilot Studio. Gerade Admins, die Compliance und Innovation unter einen Hut bringen wollen, unterschätzen dieses Werkzeug oft.

Experimente lohnen sich nur mit einem klaren Plan

Die Anthropic-Modelle im Frontier-Programm sind ein spannender Schritt, für Organisationen mit sensiblen Daten aber kein Selbstläufer. Wer Claude Sonnet 4 oder Opus 4.1 jetzt testet, sollte die Aktivierung immer mit einer Datenschutzfolgeabschätzung, gezielter Dokumentation und gut abgestimmter Kommunikation begleiten. Für Rechercheagenten und eigene Entwicklungen in Copilot Studio bieten die Modelle zusätzliche Optionen. Sobald Daten das Microsoft-Ökosystem verlassen, kommen allerdings auch neue Verantwortlichkeiten hinzu.

Ich rate deshalb dazu, erst zu prüfen und dann freizuschalten und alle Beteiligten frühzeitig einzubinden, allen voran Datenschutz und Betriebsrat. Nur dann wird die Einführung von Anthropic-Modellen im Copilot zu einem Fortschritt statt zu einem weiteren Risiko.