Wer Microsoft 365 nach dem Grundsatz „erst die Pilotgruppe, dann alle“ betreibt, hat bisher mit ziemlicher Sicherheit Targeted release genutzt. Dieses Modell schaltet Microsoft im Januar 2027 ab, und das trifft jeden Mandanten, in dem die Einstellung noch aktiv ist. Prüfst du jetzt deine Targeted-release-Einstellungen und stellst auf die neuen Release-Optionen um, legst du selbst fest, wann deine Anwender neue Funktionen zu sehen bekommen. Andernfalls entscheidet nach der Abschaltung der Standardwert für dich.

Microsoft ersetzt Targeted release durch drei Release-Optionen

An die Stelle von Targeted release tritt ein Modell, das auf Zielgruppen aufbaut und drei Optionen kennt: Frontier, Standard release und Deferred release. Über Frontier kommen berechtigte Funktionen schon vor der allgemeinen Verfügbarkeit an; diese Option ist für Tests und Feedback gedacht. Mit Standard release erhalten Anwender neue Funktionen, sobald diese allgemein verfügbar sind. Deferred release hält größere Funktionen nach der allgemeinen Verfügbarkeit noch etwa 30 Tage zurück, sodass Helpdesk und Schulung mehr Vorlauf bekommen.

Die Umstellung erfolgt in zwei Stufen. Ab November 2026 kannst du keine Benutzer mehr zu Targeted release hinzufügen oder daraus entfernen, und auch die Zuordnung selbst lässt sich nicht mehr ändern. Was bis dahin eingestellt ist, bleibt bis zur Abschaltung wirksam. Im Januar 2027 endet Targeted release vollständig; die bisher zugewiesenen Anwender richten sich dann nach den Standard- oder Deferred-Einstellungen deines Mandanten. Einzelheiten nennt Microsoft in der Dokumentation zur Abschaltung von Targeted release in Microsoft 365.

Betroffen sind alle Dienste, die bisher über Targeted release ausgeliefert wurden, also das Microsoft 365 Admin Center, Teams, OneDrive, SharePoint Online, Outlook im Web, das neue Outlook für Windows und Office im Web. Für die Update-Kanäle der Microsoft 365 Apps, die Windows-Update-Kanäle und die Insider-Programme ändert sich nichts. Wer Targeted release nie eingeschaltet hat, muss auch nichts unternehmen, sollte die neuen Begriffe aber trotzdem kennen.

Mandanten mit aktivem Targeted release müssen jetzt entscheiden

Eilig ist die Sache für alle, die Targeted release „für alle“ oder „für ausgewählte Benutzer“ eingerichtet haben. Bei der ersten Variante erhalten sämtliche Anwender neue Funktionen so früh wie möglich, bei der zweiten nur eine Pilotgruppe. Triffst du keine eigene Entscheidung, greift nach der Abschaltung die vorhandene Standard- oder Deferred-Einstellung. Die kann durchaus von dem abweichen, was du bisher bewusst gesteuert hast.

Für Government-Mandanten gelten eigene Regeln. In GCC, GCC High und DoD bleibt Standard release die unterstützte Option, Deferred release und Frontier stehen dort derzeit nicht zur Verfügung. Wer einen solchen Mandanten betreut, sollte die Microsoft-Dokumentation regelmäßig auf Aktualisierungen prüfen.

Gern übersehen wird, dass auch das Änderungsmanagement rund um Supportenden von solchen Vorlaufzeiten abhängt. Arbeitest du ohnehin gerade Fristen wie das Supportende von Office LTSC 2021 oder die Checkliste zur EWS-Abschaltung ab, kannst du die Release-Planung gleich in denselben Änderungskalender aufnehmen.

Die bisherige Konfiguration lässt sich sauber auf die neuen Optionen übertragen

Für die Übertragung der bisherigen Konfiguration empfiehlt Microsoft ein einfaches Schema. Die folgende Grafik zeigt den Weg von der Bestandsaufnahme bis zur Entscheidung, darunter erkläre ich die Zuordnung im Einzelnen.

flowchart TD
    A["Release preferences im Admin Center prüfen"] --> B{"Targeted release aktiv?"}
    B -- "Nein" --> C["Keine Aktion, Begriffe dokumentieren"]
    B -- "Für alle" --> D{"Mehr Vorlauf nötig?"}
    B -- "Für ausgewählte Benutzer" --> E["Deferred release wählen"]
    D -- "Nein" --> F["Standard release wählen"]
    D -- "Ja" --> E
    E --> G["Pilotgruppe unter Standard release eintragen"]
    F --> H["Frontier optional für Testgruppe"]
    G --> H

Entscheidungsweg von der aktuellen Targeted-release-Konfiguration zur neuen Release-Einstellung.

Haben bisher alle Anwender Targeted release erhalten und sollen sie neue Funktionen auch weiterhin gleich bei allgemeiner Verfügbarkeit sehen, wählst du Standard release. Brauchst du bei größeren Änderungen mehr Zeit, ist Deferred release die richtige Wahl. War Targeted release nur für ausgewählte Benutzer aktiv, bildest du dieses Muster wie folgt nach: Die Organisation kommt auf Deferred release, und die Anwender für Validierung, Support oder Pilotbetrieb trägst du unter „Assign users or groups for standard release“ ein. Damit prüfst du neue Funktionen weiterhin früh im Produktivbetrieb, während der Rest der Belegschaft mehr Zeit bekommt.

Im Microsoft 365 Admin Center ist die Umstellung in vier Schritten erledigt

Voraussetzung ist die Rolle Global Administrator oder eine andere Rolle mit Zugriff auf die Release-Einstellungen. Alle Schritte erledigst du im Admin Center unter admin.microsoft.com:

  1. Öffne Einstellungen > Org settings > Organization profile > Release preferences und halte fest, ob der gesamte Mandant oder welche Benutzer Targeted release nutzen.
  2. Öffne Copilot > Settings > View all > Copilot Release preferences: General availability und entscheide dich für Standard release oder Deferred release. Pilotgruppen hinterlegst du dort als Benutzer oder Gruppen für Standard release.
  3. Sollen einzelne Benutzer oder der ganze Mandant schon vor der allgemeinen Verfügbarkeit Zugriff erhalten, öffnest du Copilot > Settings > View all > Copilot Frontier.
  4. Passe interne Dokumentation, Schulungsunterlagen und Runbooks an, in denen noch von Targeted release die Rede ist.

Ab November 2026 bündelt Microsoft die drei Optionen in einer gemeinsamen Oberfläche für die Release-Einstellungen. Sie löst die bisherige Oberfläche für Standard und Deferred release ab, weshalb sich die Menüpfade ändern können. Wie die Konfiguration im Einzelnen funktioniert, beschreibt die Seite zum Einrichten von Standard release und Deferred release.

Tipp: Mach vor jeder Änderung einen Screenshot der aktuellen Release-Einstellungen und der Benutzerliste. Ab November 2026 kannst du die alte Zuordnung nicht mehr ändern, und dann dokumentiert nur noch dieser Screenshot, wie die Ausgangslage aussah.

Das Message Center kündigt Änderungen rechtzeitig an

Sinnvoll über Releases entscheiden kannst du nur, wenn du früh genug von Änderungen erfährst. Die wichtigste Quelle dafür ist das Message Center im Admin Center. Microsoft hat die Beiträge dort vor Kurzem neu gegliedert. Sie enthalten jetzt eigene Abschnitte zu Inhalt und Hintergrund, Zeitplan, Auswirkungen, empfohlenen Maßnahmen und Compliance-Aspekten, dazu kommt eine Spalte mit dem Zeitpunkt der Änderung. So lassen sich die Beiträge nach Rollout-Plan filtern. Den Aufbau des Message Centers erklärt Microsoft unter Prepare for Microsoft 365 updates with Message center.

Bewährt hat sich in der Praxis ein fester wöchentlicher Termin, an dem du die neuen Beiträge durchgehst und alles Relevante sofort als Aufgabe anlegst. Kombinierst du Deferred release für die breite Masse mit einer kleinen Standard-Gruppe als Frühwarnsystem, erhältst du die zeitliche Staffelung, die Targeted release früher grob vorgegeben hat. Der Unterschied liegt darin, dass du sie jetzt bewusst konfigurierst.

Vor Januar 2027 würde ich die Umstellung in fester Reihenfolge erledigen

Am Anfang stünde bei mir die Dokumentation des Ist-Zustands. Danach würde ich die Zielkonfiguration festlegen und erst zum Schluss die Pilotgruppe benennen, die als Frühwarnung dient. Ist das geschafft, lohnt sich ein Gespräch mit dem Helpdesk darüber, welche Änderungen eine Schulung erfordern. Wer all das im November abschließt, kann im Dezember noch einen Testlauf machen, bevor Targeted release im Januar endgültig wegfällt.