In fast jedem Tenant, den ich betreue, ist Microsoft Teams in den letzten Jahren zur zentralen Plattform für die Zusammenarbeit geworden. Was nach Freiheit und Flexibilität klingt, endet allerdings oft im Durcheinander. Ständig entstehen neue Teams mit undurchsichtigen Namen, Projekte geraten in Vergessenheit, Gruppen verwaisen, und wer wofür verantwortlich ist, bleibt unklar. In vielen Umgebungen beobachte ich, wie das unkontrollierte Wachstum von Teams und Microsoft-365-Gruppen jede Übersicht zunichtemacht. Davon sind keineswegs nur Unternehmen betroffen, die „einfach mal losgelegt“ haben. Auch eigentlich gut organisierte IT-Abteilungen kämpfen damit.
Eine eingeschränkte Gruppenerstellung hat ihren Preis
Naheliegend ist die Annahme, dass alles übersichtlicher bleibt, wenn weniger Leute Teams und Gruppen anlegen dürfen. Die Gruppenerstellung lässt sich tatsächlich sehr fein steuern und zum Beispiel auf bestimmte Benutzer oder Rollen beschränken. In der Theorie klingt das nach Ordnung. In der Praxis führt es aber oft zu längeren Wartezeiten und zu Umgehungslösungen, etwa wenn Mitarbeitende „irgendwo“ einen Kanal brauchen und dann über Umwege oder doch wieder per E-Mail weiterarbeiten. Gerade in dynamischen Abteilungen wie Kommunikation oder Entwicklung kann eine zu strenge Beschränkung neue Ideen ausbremsen. Manchmal fährt man besser damit, den Wildwuchs hinzunehmen und auf anderem Weg für Übersicht zu sorgen.
Mein Tipp: Wenn ihr die Gruppenerstellung einschränkt, sollte das Beantragen eines Teams so unkompliziert wie möglich sein. Automatisierte Genehmigungs-Flows mit Power Automate oder ein einfaches Self-Service-Portal ersparen allen Beteiligten viel Frust.
Namenskonventionen schaffen von Anfang an Klarheit
Ohne klare Namensregeln verliert man in Teams schnell den Überblick. Ich habe schon so ziemlich alles erlebt, von kryptischen Abkürzungen über doppelt vergebene Namen bis zu Teams, deren Name nichts mit ihrem eigentlichen Zweck zu tun hat. Über eine Naming-Policy für Microsoft-365-Gruppen lassen sich Präfixe, Suffixe, erlaubte Wörter und sogar Benutzereigenschaften in den Gruppennamen einbauen. Auch Kombinationen wie „PRJ-Marketing-2024“ oder „DE-Support-Extern“ sind möglich, sodass man auf einen Blick sieht, worum es geht. Jedes Problem lösen Naming-Policies allerdings nicht, schon gar nicht, wenn sie zu restriktiv ausfallen oder die Fachabteilungen sie nicht mittragen.
Eine einfache Naming-Policy erzwingt Präfix und Suffix
Set-AzureADDirectorySetting -Id <ID> -DirectorySetting @{ "Prefix" = "PRJ-"; "Suffix" = "-[Department]" }
Damit erzwinge ich ein Präfix und hänge automatisch die Abteilung als Suffix an.
Ablaufregeln sortieren vergessene Gruppen aus
Ein weiteres Ärgernis in vielen Tenants sind alte, längst vergessene Teams. Dagegen helfen Ablaufregeln für Microsoft-365-Gruppen, die nach einer einstellbaren Frist automatisch zur Verlängerung auffordern oder die Gruppen löschen. Meiner Erfahrung nach fallen gerade wenig genutzte Teams auf diese Weise schnell auf und lassen sich zügig bereinigen. Wie viele Tage bis zum Ablauf vergehen, sollte zum Unternehmen passen; 180 Tage sind ein üblicher Startwert. Vorher erhalten die Eigentümer mehrere Benachrichtigungen und können das Team mit einem Klick verlängern. Fehlt eine solche Policy, verstopfen Datenleichen das Adressbuch und belasten die Ressourcenverwaltung.
Sensitivitätslabels regeln Gastzugriff und Schutz der Teams
Kaum ein Projekt kommt ohne die Diskussion aus, wer Gäste einladen darf und wie sich verhindern lässt, dass sensible Daten versehentlich bei Externen landen. An dieser Stelle setzen Sensitivitätslabels für Container an. Mit ihnen klassifiziert man Teams und Gruppen, etwa als „Intern“, „Vertraulich“ oder „Externe Zusammenarbeit erlaubt“, und steuert darüber die Zugriffsrechte. Technisch lässt sich so absichern, dass bestimmte Teams überhaupt keine Gäste zulassen oder für sensible Bereiche strengere Sicherheitsregeln gelten. Wer Gastzugriffssteuerung und Labeling kombiniert, schließt viele Risiken von vornherein aus.
Klare Besitzer und das Archiv halten Ordnung
Immer wieder stoße ich auf Teams ohne aktive Besitzer oder mit nur einem einzigen. Verlässt diese Person das Unternehmen, ist das Durcheinander perfekt. Für mich sind deshalb mindestens zwei Besitzer pro Team Pflicht, und das lässt sich per Skript auch regelmäßig technisch prüfen. Bewährt hat sich außerdem, Teams zu archivieren, statt sie zu löschen. Wer nicht mehr aktiv genutzte Teams in den Archivmodus versetzt, behält sie nachvollziehbar dokumentiert, ohne dass sie das Tagesgeschäft weiter belasten.
Bevor solche Regeln wirken, müssen die Anwender allerdings davon erfahren. Eine einmalige Mail genügt dafür nicht. Schulungen, kurze Videos oder ein verständlich geschriebenes Wiki fördern die Akzeptanz. Ich arbeite häufig mit wiederkehrenden Erinnerungen und einer zentralen Infoseite im Intranet.
Das Diagramm zeigt das Zusammenspiel der Governance-Bausteine
Damit die Zusammenhänge zwischen den wichtigsten Einstellungen greifbarer werden, habe ich ein einfaches Ablaufdiagramm erstellt. Darin ist zu sehen, wie die einzelnen Bausteine ineinandergreifen, angefangen bei der Gruppenerstellung über Namensgebung, Ablaufregeln und Labeling bis hin zur Archivierung.
flowchart TD
Start["Gruppen-Erstellung beantragt"] --> Naming["Naming Policy angewendet"]
Naming --> Labeling["Sensitivitätslabel setzen"]
Labeling --> Gastzugriff["Gastzugriff erlaubt?"]
Gastzugriff -- Ja --> Owner["Besitzer festlegen"]
Gastzugriff -- Nein --> Owner
Owner --> Ablauf["Ablaufregel aktiv?"]
Ablauf -- Ja --> Verlängern["Eigentümer erhält Erinnerung"]
Ablauf -- Nein --> Nutzung["Team aktiv genutzt?"]
Verlängern --> Nutzung
Nutzung -- Nein --> Archiv["Team wird archiviert"]
Nutzung -- Ja --> Nutzung
Abbildung: Ablauf und Wechselwirkungen der Governance-Regeln in Teams
Governance bleibt eine dauerhafte Aufgabe
Wer Teams-Governance als einmalige Einstellung betrachtet, wird schnell von der Realität eingeholt. Jedes Unternehmen, das ich betreue, braucht sein eigenes Verhältnis von Kontrolle und Freiraum. Auch mit Naming- und Ablaufregeln tauchen immer wieder Fälle auf, die eine pragmatische Ausnahme verlangen. Wichtig ist vor allem, dass es überhaupt verbindliche Regeln und greifbare Prozesse gibt und dass man sie regelmäßig überprüft und anpasst. Ganz verhindern lässt sich Teams-Wildwuchs nie. Mit den passenden Bausteinen wird aus dem Durcheinander aber eine geordnete Zusammenarbeit.


