In vielen Tenants, die ich mir anschaue, landen die Update-Kanäle der Microsoft 365 Apps früher oder später auf der Tagesordnung, besonders dann, wenn neue Funktionen wie Copilot für Microsoft 365 eingeführt werden sollen. Sicherheit und Stabilität lassen sich dabei oft nur schwer mit Funktionswünschen und Kompatibilitätsfragen vereinbaren. Wo lange Zeit der Semi-Annual Enterprise Channel gesetzt war, hat sich in den vergangenen Monaten einiges verschoben. Vom gewählten Kanal hängt immer stärker ab, wie schnell ein Unternehmen neue Funktionen nutzen kann und wie viel Testaufwand es dafür betreiben muss.

Drei Update-Kanäle stehen für die Microsoft 365 Apps zur Wahl

Wer die Microsoft 365 Apps verwaltet, entscheidet sich zwischen Current Channel, Monthly Enterprise Channel und Semi-Annual Enterprise Channel. Jeder dieser Kanäle setzt andere Schwerpunkte. Am schnellsten kommen neue Funktionen über den Current Channel (früher auch als Monthly Channel bekannt), teils monatlich, manchmal sogar häufiger. Der Monthly Enterprise Channel liefert dagegen einmal im Monat in einem gut planbaren Rhythmus und birgt weniger Risiko für unerwartete Änderungen. Sehr konservative Umgebungen haben lange den Semi-Annual Enterprise Channel bevorzugt, der nur zweimal im Jahr ein Funktionsupdate bringt und dafür mehr Vorlauf zum Testen lässt. In der Praxis beobachte ich allerdings, dass dieser vermeintlich sichere Hafen an Bedeutung verliert, denn neue Funktionen wie Copilot für Microsoft 365 setzen aktuellere Kanäle voraus. Wer heute noch auf Semi-Annual setzt, sollte sich überlegen, ob er künftig auf wichtige Neuerungen verzichten möchte.

Ohne passenden Update-Kanal läuft Copilot für Microsoft 365 nicht

Mit Copilot für Microsoft 365 müssen viele Organisationen umdenken. Nach Stand vom März 2024 funktioniert Copilot nur, wenn die Microsoft 365 Apps im Current Channel oder im Monthly Enterprise Channel laufen. Mit dem Semi-Annual Enterprise Channel ist Copilot nicht kompatibel. Viele Unternehmen bewerten deshalb ihre Update-Strategie neu und möchten dabei häufig auch Neuerungen schneller ausrollen. Das bleibt nicht ohne Folgen. Wer von Semi-Annual auf den Monthly Enterprise Channel oder den Current Channel umsteigt, muss die Kompatibilitätstests für Add-ins und Line-of-Business-Anwendungen in einem deutlich kürzeren Takt durchführen. Bewährt hat sich dafür ein Ringmodell. Zuerst testet ein kleiner Kreis IT-affiner Anwender:innen im Pilot, anschließend wird schrittweise auf größere Gruppen ausgerollt. Bei der Gelegenheit lassen sich auch die Abläufe für Tests und Rückmeldungen auf ein professionelleres Niveau bringen. Mehr Hintergrund dazu finden Sie in meinem Beitrag „Copilot für Microsoft 365: Tenant vorbereiten, Oversharing vermeiden“.

Für den Kanalwechsel gibt es mehrere Werkzeuge

Technisch stellt der Wechsel des Update-Kanals heute keine große Hürde mehr dar, und es führen mehrere Wege zum Ziel. In Intune steuern Sie den Kanal bequem über den Settings Catalog oder die Office-Konfigurationsprofile. Wer noch mit klassischen Gruppenrichtlinien oder dem Office Deployment Tool arbeitet, findet in der Dokumentation von Microsoft gute Hinweise. Am angenehmsten arbeite ich mit dem Microsoft 365 Apps Admin Center (config.office.com). Dort verwalten Sie Update-Kanäle und Servicing Profiles zentral und sehen außerdem auf einen Blick, welchen Update-Stand und welche Builds die Geräte haben. Auf diese Weise fallen Unstimmigkeiten auf, etwa Geräte, die beim Wechsel zwischen zwei Kanälen „verloren“ gegangen sind. Den Wechsel sollten Sie sauber dokumentieren und am besten mit einer Inventarisierung verbinden, nach der Sie die Gruppen noch einmal kontrollieren. Aus meinen Projekten habe ich folgenden Tipp mitgenommen:

Wer Update-Kanäle ändert, sollte gleichzeitig ein Reporting aufbauen, in dem Ausreißer schnell auffallen, zum Beispiel mit auditierbaren Berichten aus dem Apps Admin Center oder mit eigenen PowerShell-Skripten.

Mit diesem kurzen PowerShell-Befehl lesen Sie den aktuellen Update-Kanal eines Geräts aus:

Get-ItemProperty -Path "HKLM:\SOFTWARE\Microsoft\Office\ClickToRun\Configuration" | Select-Object CDNBaseUrl

Add-ins und Bandbreite verlangen ein Ringmodell

Ein „schnellerer“ Kanal klingt verlockend, bringt aber Konsequenzen mit sich. Add-ins und Makros müssen häufiger getestet werden, und gerade in größeren Umgebungen wird dieser Aufwand gern unterschätzt. Ich rate ausdrücklich dazu, eine Preview-Gruppe aus technisch versierten Anwender:innen einzurichten und genug Kapazität für das Testen neuer Builds einzuplanen. Bei sehr großen Update-Wellen kann zudem die Netzwerkbandbreite knapp werden. Abhilfe schafft Delivery Optimization, die Updates effizient im lokalen Netzwerk verteilt und so die Internetleitung entlastet. Wer die Kanäle steuert, sollte deshalb auch Download-Quellen und Verteilung im Auge behalten, vor allem bei vielen verteilten Standorten.

Wie die einzelnen Komponenten zusammenhängen, zeigt das folgende Mermaid-Diagramm:

flowchart TD
    Devices["Geräte"] --> UpdateChannel["Update-Kanal-Einstellung"]
    UpdateChannel --> UpdateSource["Update-Quelle (Internet / DO)"]
    UpdateChannel --> AddInCompatibility["Add-In Kompatibilität"]
    UpdateSource --> Bandwidth["Bandbreite / Netzwerk"]
    UpdateChannel --> FeatureAvailability["Feature-Verfügbarkeit (z.B. Copilot)"]
    UpdateChannel --> AdminTools["Verwaltungstools (Intune, GPO, Admin Center)"]

Abbildung: So beeinflussen sich Update-Kanal, Funktionsumfang, Bandbreite und Verwaltung bei den Microsoft 365 Apps.

Am Monthly Enterprise Channel kommen die meisten Unternehmen kaum vorbei

Wer Copilot für Microsoft 365 oder andere neue Funktionen nutzen möchte, kommt um aktuelle Update-Kanäle praktisch nicht mehr herum. Der Trend geht deutlich zum Monthly Enterprise Channel, weil er planbare Updates und neue Funktionen gut unter einen Hut bringt. Fehlen jedoch ein durchdachtes Ringmodell, konsequente Tests und klare Abläufe für die Add-in-Kompatibilität, wird der Wechsel schnell zur Zerreißprobe. In Projekten habe ich miterlebt, wie eine überstürzte Umstellung auf den Current Channel ohne Pilotgruppe massive Probleme verursacht hat, zum Beispiel bei Makros, die auf einmal nicht mehr funktionierten. Mit sauberer Planung und den passenden Werkzeugen lässt sich die Migration dagegen gelassen angehen. Der Aufwand zahlt sich aus, weil die Umgebung dadurch sicher und aktuell bleibt.