Auf der diesjährigen Ignite drehte sich fast alles um KI-Agenten und um Microsoft Agent 365, die neue Verwaltungsplattform, die Microsoft dafür angekündigt hat. In vielen Tenants, die ich betreue, wuchern Copilot-Erweiterungen, autonome Agenten und Plugin-Experimente in Microsoft 365 und Azure inzwischen ziemlich unkontrolliert. Jetzt zeichnet sich ab, dass diese Wildwest-Phase zu Ende geht und zentrale Kontrolle zur Pflicht wird. Die Copilot-Neuheiten der Ignite 2025 enthalten viel Vision, für Admins aber auch handfeste Hausaufgaben. Beides möchte ich hier einordnen.
Microsoft Agent 365 soll zur zentralen Steuerebene für Agenten werden
Microsoft Agent 365 ist als zentrales Steuerungselement für KI-Agenten in der gesamten Cloud gedacht. Die Plattform soll als einheitliche Registry dienen, in der alle Agenten registriert, visualisiert und überwacht werden, egal ob es sich um eine Copilot-Erweiterung, einen Copilot-Studio-Agenten, einen Azure-basierten Enterprise-Agenten oder eine Drittanwendung handelt. Besonders spannend finde ich, dass Agenten künftig mit einer Microsoft Entra Agent ID eine eigene Identität bekommen, über die sie verwaltet und abgesichert werden. Genau hier improvisieren viele Unternehmen bisher.
Mein Tipp: Verschafft euch frühzeitig einen Überblick, welche Agenten und Erweiterungen in eurem Tenant existieren und welche Berechtigungen sie tatsächlich brauchen. So erlebt ihr beim Rollout der zentralen Steuerung keine bösen Überraschungen.
Agent ID und Registry sind dabei mehr als ein technisches Detail. Es geht um Ownership, Zugriff und Lizenzierung und darum, wie sich das Ganze in bestehende Governance-Prozesse einfügt. Details und den aktuellen Funktionsumfang beschreibt der Microsoft-Learn-Artikel zu Entra Agent ID. Im November 2025 lässt sich praktisch vor allem die Vorschau nutzen, die Richtung ist trotzdem eindeutig.
Vieles ist angekündigt, nur wenig steht schon zur Verfügung
Wie gewohnt bot die Ignite mehr Vision als fertige Produkte. Microsoft Agent 365 ist derzeit (noch) lediglich angekündigt, das neue Registry-Portal läuft in einer geschlossenen Vorschau. Ebenfalls angekündigt hat Microsoft die Integration von Agenten aus Copilot Studio, Azure AI Foundry und Drittanwendungen, die Visualisierung und Steuerung über das Microsoft 365 Admin Center sowie die zentrale Verwaltung von Zugriffsrechten per Entra Agent ID. Erste Einblicke gibt es bereits bei Agenten, die mit Copilot Studio gebaut und im Tenant veröffentlicht werden. Dort sieht man deutlich, wie wichtig Ownership und Security inzwischen genommen werden. Ausführlicher bin ich darauf im Beitrag Copilot-Studio-Agenten auf Sicherheit prüfen eingegangen.
In der Praxis bleibt vieles Vision oder Preview. Wie die Anbindung an Microsoft Defender XDR (Angriffserkennung und „Agent Posture“), an Purview (Audit, Data Governance) und an bestehende App-Governance-Mechanismen aussehen soll, konkretisiert Microsoft gerade erst. Ein Architekturschaubild findet sich im offiziellen Ignite-Recap zu Microsoft Agent 365. Auch wenn noch vieles Ankündigung ist, sollte man die Roadmap aufmerksam verfolgen.
Admins sollten ihre Agenten-Governance schon jetzt vorbereiten
Wann Microsoft Agent 365 GA erreicht, spielt dafür keine Rolle: Wer Copilot, Copilot-Studio-Agenten, Azure AI Foundry oder Agenten von Drittanbietern einsetzt, sollte seine Governance-Hausaufgaben spätestens jetzt erledigen. Konkret heißt das:
- ein Agenten-Inventar anlegen und regelmäßig pflegen (wer betreibt was?)
- Ownership und technische Verantwortung klären
- die Identitäten der Agenten offenlegen (z. B. Service Principal, Entra Agent ID – siehe Copilot-Agenten im Admin Center verwalten)
- Datenzugriffe, Berechtigungen und Least Privilege überprüfen
- Lizenz- und Kostenfragen dokumentieren
Es hilft, schon heute in einer Tabelle festzuhalten, welche Agenten aktiv sind und auf welche Daten sie zugreifen. In größeren Tenants bietet sich dafür ein eigenes Register an, etwa in Purview oder als SharePoint-Liste. Die größten Risiken stecken im Datenzugriff, zum Beispiel wenn ein Agent mit zu weitreichenden Rechten auf SharePoint oder Exchange zugreift. Deshalb lohnt es sich, die eigene Purview- und Copilot-Governance gezielt auf die neuen Agenten hin zu überprüfen.
Das Diagramm zeigt das Zusammenspiel von Agenten, Identität und Governance
In den Ignite-Sessions kam immer wieder zur Sprache, wie sehr es auf das Zusammenspiel von Registry, Identität und Sicherheitsmechanismen ankommt. Das folgende Diagramm stellt die Architektur vereinfacht dar:
flowchart TD
agent["Agent"] --> registry["Agent 365 Registry"]
registry --> entraid["Entra Agent ID"]
agent --> defender["Defender XDR"]
agent --> purview["Purview"]
entraid --> access["Access Control"]
agent --> owner["Owner"]
Abbildung: So greifen Agenten-Registrierung, Identität, Zugriff und Security ineinander.
Daran wird deutlich, dass sich Governance nicht automatisieren lässt, solange unklar ist, welche Agenten es gibt, welche Identitäten sie nutzen und auf welchen Wegen sie zugreifen. Admins sollten ihre Prozesse deshalb frühzeitig so anpassen, dass sie zur künftigen Registry passen.
Hinter dem Hype steckt ein echter Handlungsbedarf
Nicht alles, was auf der Ignite-Bühne glänzt, lässt sich morgen produktiv einsetzen. Die Weichen sind aber gestellt. Agenten werden keine Schatten-Apps mehr sein, sondern klar geregelte Akteure, häufig mit eigener Identität, eigenen Rechten und eigenem Audit-Trail. Wer jetzt Inventar, Ownership und Governance für seine KI-Agenten aufbaut, ist für den Tag X gut gerüstet, ob die Agenten nun aus Copilot, Copilot Studio oder von Drittanbietern stammen. Am Ende zählt die Praxis: Wer Ownership, Identitäten und Zugriffshygiene im Griff hat, muss auch die neuen Kontrollmechanismen von Microsoft Agent 365 nicht fürchten. Ich beobachte weiter, wie sich die Vorschau entwickelt und ab wann Agenten wirklich das Zeug zum Enterprise-Asset haben.


