In vielen Unternehmen, die ich begleite, ist das Risiko durch KI-Webseiten längst greifbar. Seit intern die ersten ChatGPT-Workshops gelaufen sind, fragen sich Admins mit wachsender Sorge, wer womöglich gerade vertrauliche Kundendaten, Projektpläne oder Quellcode in externe KI-Plattformen kopiert. Klassische DLP-Ansätze reichen dafür oft nicht aus, weil sie nur E-Mails und Cloud-Dienste überwachen oder den Browser gar nicht kontrollieren. Endpoint DLP lässt sich dagegen gezielt auf KI-Webseiten ausrichten, und genau danach fragen inzwischen immer mehr Kunden.
Endpoint DLP überwacht ausgewählte KI-Domains gezielt
Microsoft Purview Endpoint DLP kann Webbrowser seit einiger Zeit nicht mehr nur pauschal überwachen. Es verhindert auch gezielt, dass sensible Daten auf bestimmten Domains wie chat.openai.com, claude.ai oder Gemini eingefügt (Paste) oder hochgeladen werden. Maßgeblich dafür sind die Browser- und Domain-Restriktionen in den Endpoint DLP Settings. Sie liegen im Purview-Portal unter Datenverlustprävention → Einstellungen → Endpoint DLP Einstellungen. Dort aktiviert man eine vordefinierte Gruppe von Domains für KI-Dienste (Sensitive service domain groups) oder ergänzt eigene Einträge. Das ist wichtig, weil ständig neue Anbieter auftauchen.
Technisch greifen die Endpoint-DLP-Richtlinien auf onboardeten Clients ab Windows 10/11, auf denen Microsoft Defender for Endpoint läuft. Edge wird direkt unterstützt. Für Chrome muss dagegen die Purview-Erweiterung installiert sein, und genau das wird im Alltag gern übersehen. Ohne Erweiterung bleibt Chrome außen vor.
Die DLP-Richtlinie verhindert das Einfügen und Hochladen auf KI-Webseiten
Die eigentliche Arbeit steckt in der DLP-Richtlinie. Dort legt man fest, welche Vertraulichkeitsbezeichnungen oder DLP-Bedingungen greifen sollen, und wählt als Aktion „Paste to browser“ oder „Upload to browser“. So sinkt das Risiko, dass sensible Daten über klassische Copy-Paste-Angriffe oder versehentliche Uploads in KI-Portalen landen. Betreiben lässt sich die Richtlinie im Modus „Block with override“ oder „Audit only“. Aus Erfahrung rate ich dazu, mit Audit zu beginnen, um zu sehen, wie tatsächlich gearbeitet wird, und dann schrittweise auf Block mit Override umzustellen. Damit ist der Großteil der Daten geschützt, und für Notfälle bleibt ein Ausweg.
Praxistipp: Die Audit-Ereignisse im Purview-Portal sollte man regelmäßig auswerten. Oft stellt sich heraus, dass sensible Daten, etwa aus Projekten oder dem HR-Bereich, häufiger in KI-Webseiten kopiert werden als gedacht. Mit frühen Awareness-Kampagnen lässt sich gegensteuern, bevor man auf „hartes Blockieren“ umschaltet.
Wie die Konfiguration im Detail aussieht, hängt vom Browser und vom Endpunkt ab. In Edge bemerken Nutzer sofort, wenn eine DLP-Richtlinie greift, weil eine deutliche Meldung auf die blockierte Aktion hinweist. In Chrome steht und fällt alles mit der Purview-Erweiterung. Sie muss per Intune oder GPO ausgerollt und gegen Deinstallation abgesichert werden, sonst wird die Richtlinie nicht durchgesetzt.
Für KI-Webseiten stehen drei DLP-Aktionen zur Auswahl
Je nach Anwendungsfall stehen diese DLP-Aktionen zur Wahl:
- Audit only: Das Ereignis wird nur protokolliert, der Nutzer kann weiterarbeiten
- Block: Die Aktion wird vollständig unterbunden, ohne Ausnahmen
- Block with override: Nutzer können nach Angabe einer Begründung fortfahren (wird protokolliert)
Bei KI-Webseiten ist Block with override meist die beste Wahl. Legitime Ausnahmen werden damit dokumentiert, statt sie pauschal zu unterbinden, etwa in der Entwicklung, wo KI-APIs teilweise erlaubt sind. Wer im Audit-Modus beginnt, kann außerdem konkret prüfen, wie sich die Regeln auf den Geschäftsbetrieb auswirken und wie gut die Belegschaft sie annimmt, bevor im Block-Modus tatsächlich die Schranken fallen.
Gegen Shadow AI müssen die Domain-Gruppen laufend gepflegt werden
Ein Stolperstein bleibt die Pflege der KI-Domains. Microsoft liefert zwar eine „Sensitive service domain group“ für KI-Dienste mit, sie sollte aber regelmäßig ergänzt werden, etwa mithilfe von Shadow-AI-Discovery-Tools und aktuellen Listen aus Defender for Cloud Apps. In vielen Unternehmen wird daraus ein Dauerprozess, weil laufend neue KI-Webseiten dazukommen. Wer Purview DSPM für AI bereits einsetzt (Überblick und Monitoring mit DSPM für AI), kann beides miteinander verbinden und neue Dienste früh erkennen.
Das folgende Diagramm zeigt, wie die einzelnen Komponenten zusammenspielen:
flowchart TD
User["User (Windows 10/11)"] --> Browser["Browser (Edge/Chrome)"]
Browser --> AIWeb["KI-Webseite (z.B. chat.openai.com)"]
Browser --> PurviewAgent["Endpoint DLP Agent"]
PurviewAgent --> Policy["Purview DLP-Richtlinie"]
Policy -->|"Audit/Block/Override"| Action["Aktion (blockieren/melden)"]
Abbildung: Datenfluss von Endpoint DLP beim Zugriff auf KI-Webseiten
Chrome braucht im Gegensatz zu Edge eine eigene Erweiterung
Immer wieder treffe ich auf Unternehmen, in denen Edge und Chrome parallel laufen, oft aus Gewohnheit oder wegen Kompatibilitätsanforderungen. Für Endpoint DLP ist das nicht trivial. Edge wird nativ unterstützt, Chrome braucht dagegen zwingend die Purview-Erweiterung, die per Intune oder Gruppenrichtlinie verteilt werden muss. Wer das vergisst, lässt Chrome-Nutzer Daten ungehindert nach draußen schicken. Genauso wichtig ist es, die Deinstallation der Erweiterung zu sperren, sonst hat der Schutz eine Lücke.
Die aktuelle Liste der unterstützten Browser und alle Details zu den DLP-Einstellungen findet ihr in der Microsoft-Dokumentation: Überblick über Endpoint DLP und Endpoint-Einstellungen konfigurieren.
Endpoint DLP für KI-Webseiten ist 2026 eine Pflichtaufgabe
Wer KI-Dienste im Unternehmen heute nicht reguliert, trägt das Risiko durch „Shadow AI“ ganz allein. Aus meiner Sicht ist Endpoint DLP der praktikabelste Weg, Paste- und Upload-Versuche auf externe KI-Webseiten zu auditieren und bei Bedarf zu blockieren. Das richtige Verhältnis von Audit, Block und Override zu finden, ist dabei weniger eine technische als eine Governance-Frage. Dauerhaft wichtig sind aktuelle Domain-Listen, eine sorgfältig gepflegte Browser-Konfiguration und regelmäßig ausgewertete Audits. Nur dann lässt sich das „Kopieren in die KI“ wirksam eindämmen, ohne die Produktivität abzuwürgen.


