Wer Copilot Studio seit einigen Monaten produktiv einsetzt, hat es vermutlich schon gemerkt: Ohne einen regelmäßigen Blick auf die Copilot Credits drohen böse Überraschungen. Die Credits messen inzwischen, wie viel generative Antworten, Agentenaktionen und autonome Ausführungen in Copilot Studio verbrauchen, und sind damit die Grundlage für einen verlässlichen Betrieb. In vielen Tenants, die ich betreue, stellt sich spätestens nach den ersten produktiven Agenten und Pilotphasen dieselbe Frage. Wie viel Kapazität ist eigentlich noch übrig, und wie lässt sich verhindern, dass wichtige Agenten auf einmal stillstehen?
Das Power Platform Admin Center zeigt den Verbrauch je Umgebung
Die Copilot Credits lassen sich für jede Umgebung einzeln im Power Platform Admin Center einsehen. Das übersehen viele anfangs. Der Pfad lautet Power Platform Admin Center → Lizenzierung → Copilot Studio. Dort stehen die verfügbare Kapazität pro Umgebung und der bisherige Verbrauch. Laufen mehrere Pilotprojekte parallel oder bauen verschiedene Teams eigene Agenten, verliert man ohne diese Ansicht schnell den Überblick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man dort auch, welche Umgebung gerade besonders aktiv ist. Einfache „Nachrichten“ zählen übrigens nicht mehr wie früher. In die Berechnung fließen vor allem aufwendigere generative Antworten, eigenständige Agentenaktionen und ganz besonders autonome Trigger ein.
Praxistipp: Prüfen Sie den Kapazitätsstand jeder produktiven Umgebung regelmäßig im Power Platform Admin Center und machen Sie daraus eine feste Routine. So bleiben unangenehme Überraschungen aus.
Mehr Details stehen in der offiziellen Dokumentation von Microsoft, die ich selbst immer wieder zurate ziehe.
Admins verteilen die Credits gezielt und lassen sich rechtzeitig warnen
Nicht jede Umgebung erhält automatisch gleich viele Copilot Credits. Im Power Platform Admin Center können Sie Kapazität gezielt zuweisen und bei Bedarf wieder entziehen. Wichtig wird das vor allem dann, wenn einige Bereiche noch experimentieren, während andere bereits produktiv arbeiten und sich auf ihre Agenten verlassen müssen. Sehr hilfreich sind die einstellbaren Schwellenwerte für Benachrichtigungen. Damit erfahren Administratoren oder die Besitzer einer Umgebung frühzeitig, dass die Kapazität zur Neige geht, und nicht erst, wenn die Agenten nicht mehr reagieren. Ohne diese Warnungen möchte ich nicht mehr arbeiten, denn autonome Agenten oder komplexere Aktionen verbrauchen mitunter deutlich mehr Credits als ein einfacher Chatdialog.
Typischerweise schlagen diese Aktionen bei den Copilot Credits stärker zu Buche:
- Generative Antworten (z. B. Zusammenfassungen, kreative Texte)
- Agenten, die mehrere externe Datenquellen abfragen
- Autonome Trigger, die von sich aus Aufgaben ausführen
- Komplexe Workflows mit mehreren Aktionen
Ist die Warnung erst einmal eingerichtet, heißt es im Ernstfall nicht „oh, alles steht“, sondern „wir haben noch Zeit zum Nachsteuern“.
Eine Azure-Subscription fängt den Mehrverbrauch per Pay-as-you-go ab
Ist die zugewiesene Kapazität einer Umgebung aufgebraucht, kann Copilot Studio im Pay-as-you-go-Modell Credits aus einer angebundenen Azure-Subscription beziehen. In meinen Projekten dient das bei produktiven Umgebungen häufig als „Sicherheitsnetz“. Steigt der Verbrauch unerwartet an, fallen die Agenten dann nicht plötzlich aus. Eingerichtet wird das ebenfalls im Power Platform Admin Center unter Lizenzierung, wo Sie eine Azure-Subscription als Quelle für den Überlauf auswählen. Setzen Sie dabei unbedingt klare Limits und richten Sie ein Monitoring im Azure Cost Management ein, damit die Kosten nicht davonlaufen. Mehr zur Kapazitätsplanung erklärt Microsoft in der Dokumentation zu den Kapazitäts-Add-ons.
Gerade in Umgebungen, in denen viel ausprobiert wird oder Innovationsprojekte laufen, ist Pay-as-you-go eine gute Wahl, sofern man das Kostenrisiko im Auge behält. Ich habe aber auch Teams erlebt, die aus allen Wolken fielen, weil ihre Agenten ohne Pause autonome Aktionen auslösten. Der Verbrauch schnellt in solchen Fällen sehr schnell nach oben.
Das Diagramm zeigt den Weg der Credits vom Tenant bis zum Verbrauch
Vielen Entscheidern und Admins ist nicht klar, wie die Copilot Credits verteilt und verbraucht werden. Das folgende Diagramm stellt den typischen Ablauf dar: von der Tenant-Kapazität über die einzelnen Umgebungen bis zum Verbrauch und zum Rückgriff auf Azure Pay-as-you-go.
flowchart TD
Tenant["Tenant Copilot Credits"] --> Env1["Umgebung A"]
Tenant --> Env2["Umgebung B"]
Env1 --> AgentA["Agent Aktionen"]
Env1 --> AgentB["Autonome Trigger"]
Env2 --> AgentC["Generative Antworten"]
Env1 -- "Kapazität aufgebraucht" --> PAYG["Azure Pay-as-you-go"]
Abbildung: So fließen die Copilot Credits von der Tenant-Kapazität über die Umgebungen bis zum Verbrauch durch die Agenten, mit Pay-as-you-go als Rückfallebene.
Mit den Credits lässt sich der Verbrauch endlich steuern
Aus meiner Sicht haben die Copilot Credits das Verbrauchsmodell von Copilot Studio endlich durchschaubar gemacht. Gleichzeitig tragen Admins dadurch mehr Verantwortung. Wer den Verbrauch nicht gezielt überwacht, die Kapazität nicht regelmäßig prüft und keine sinnvollen Warnungen einrichtet, gerät schnell in Schwierigkeiten, vor allem wenn autonome Agenten im Hintergrund laufen. Pay-as-you-go ist ein praktischer Puffer, gehört aber immer mit Kostenkontrolle und festen Limits kombiniert. Mein Rat: Legen Sie früh Routinen für die Verteilung der Kapazität und für die Warnungen fest. Dann laufen die Agenten stabil, und das Budget gerät nicht aus dem Ruder.
Wer tiefer in die Governance von Agenten oder die DLP-Kontrolle in Copilot Studio einsteigen möchte, findet mehr dazu im Beitrag Copilot-Studio-Governance: Risiken und Kontrollen 2024.


