In vielen Tenants, die ich zuletzt begleitet habe, ist Copilot in Power BI auf einmal sichtbar, und sofort kommen Fragen auf. Darf man das überhaupt aktivieren? Welche Daten werden tatsächlich verarbeitet, und wo? Wie lässt sich gezielt festlegen, wer Copilot in Power BI und Fabric nutzen darf, und wie stellt man sicher, dass die Antworten brauchbar und sicher sind? Microsoft hat in den vergangenen Monaten spürbar nachgebessert. Trotzdem kennen viele Admins einen Teil der Einstellungen nicht oder übersehen sie im Fabric-Admin-Portal schlicht.

Die Tenant-Einstellungen legen fest, wer Copilot nutzen darf

Gesteuert wird Copilot in Power BI und Fabric zentral im Fabric-Admin-Portal unter „Tenant-Einstellungen“. Dort liegen die Schalter für Copilot und den Azure OpenAI Service. Wichtig ist vor allem, dass sich Copilot entweder für den gesamten Tenant oder fein abgestuft über Sicherheitsgruppen freigeben lässt. Wer erst einmal ausprobieren möchte, statt alles für alle zu öffnen, legt zum Beispiel eine eigene Gruppe „Data Insights Copilot Pilot“ an und nimmt dort ausgewählte Power-User oder das Data-Team auf. Viele Organisationen starten genau so mit einem kleinen Ring, um Erfahrungen zu sammeln und Risiken einzuschätzen, bevor sie Copilot breit ausrollen.

Genauso genau sollte man sich die Einstellung „Datenverarbeitung möglicherweise außerhalb Ihrer Geo-Region zulassen“ (Cross-Geo-Processing) ansehen. Seit Einführung des EU-Data-Boundary-Programms hat sie für Copilot in Power BI und Fabric besonderes Gewicht. Wer gesetzliche Vorgaben einhalten muss, prüft sie ausdrücklich und schränkt sie bei Bedarf ein. Weitere Einzelheiten stehen in der offiziellen Dokumentation von Microsoft.

Copilot läuft nur auf einer Fabric- oder Power-BI-Premium-Kapazität

In Projekten stolpere ich immer wieder über dasselbe Problem: Copilot in Power BI und Fabric erscheint zwar im Portal, wer es aufruft, bekommt aber nur eine Fehlermeldung. Das liegt daran, dass der Workspace auf einer unterstützten Fabric- oder Power-BI-Premium-Kapazität laufen muss. Pro-Lizenzen pro Benutzer reichen dafür nicht, und auch PPU („Premium Per User“) genügt derzeit nicht. Für erste Tests mit Copilot braucht man also mindestens einen Workspace auf einer F64-Fabric-Kapazität oder einer P1-Power-BI-Premium-Kapazität, auf den die vorgesehene Nutzergruppe auch zugreifen kann. Vor allem in mittelgroßen Organisationen sollte man die Kapazitäten bewusst zuteilen, damit Kosten und Governance nicht aus dem Ruder laufen.

Copilot ist nur so gut wie das Semantic Model dahinter

Copilot kann durchaus beeindruckende Vorschläge machen, wie gut sie ausfallen, hängt aber stark vom zugrunde liegenden Semantic Model ab. Nützliche Antworten gibt es in der Praxis nur, wenn das Modell gute Beschreibungen, gepflegte Synonyme, „verifizierte Antworten“ und ein korrektes AI Data Schema mitbringt. Bei kryptischen Feldnamen oder fehlenden Beschreibungen sind die Ergebnisse entsprechend dürftig. Bevor man Copilot einführt, lohnt es sich deshalb, Zeit in die Pflege der Modelle zu stecken und das Data-Team auf diese neue Aufgabe vorzubereiten.

Gern übersehen wird, dass Row-Level Security (RLS) auch für Copilot gilt. Die KI sieht nur die Daten, für die der jeweilige Nutzer ohnehin berechtigt ist. Eine neue Schwachstelle entsteht dadurch nicht. Die RLS-Regeln im Modell müssen allerdings sauber umgesetzt sein, sonst entstehen blinde Flecken.

Tipp aus der Praxis: Lassen Sie das Data-Team vor jedem Copilot-Pilotprojekt die Semantic Models gezielt durchgehen und dabei Synonyme, verständliche Spaltennamen und klare Beschreibungen nachziehen. Der Aufwand lohnt sich gleich zweimal, weil auch die klassischen Berichte davon profitieren.

Ein Diagramm zeigt die Abhängigkeiten zwischen Einstellung, Kapazität und Modell

Das folgende, vereinfachte Mermaid-Diagramm zeigt, wie Tenant-Settings, Kapazität und Nutzergruppen zusammenhängen:

flowchart TD
    CopilotSetting["Copilot-Tenant-Setting"] --> SecurityGroup["Sicherheitsgruppe"]
    SecurityGroup --> User["Nutzende"]
    CopilotSetting --> Capacity["Premium-/Fabric-Kapazität"]
    Capacity --> Workspace["Power BI/Fabric Workspace"]
    Workspace --> SemanticModel["Semantic Model"]
    SemanticModel --> CopilotFeature["Copilot-Feature"]
    User --> CopilotFeature

Abbildung: Abhängigkeiten für Copilot in Power BI/Fabric im Überblick.

Daran sieht man gut, dass Copilot ohne passende Einstellungen, ausreichende Kapazität und gepflegte Modelle entweder gar nicht funktioniert oder kaum Brauchbares liefert.

Einige Handgriffe haben sich in Projekten bewährt

Die folgenden Punkte begegnen mir bei Kunden immer wieder, und sie haben sich gut bewährt:

  • Tenant-Settings gezielt für einzelne Gruppen freischalten statt global
  • Semantic Models regelmäßig prüfen und pflegen (Synonyme, Beschreibungen, RLS)
  • Workspace-Kapazitäten verwalten und zentral dokumentieren, um die Copilot-Nutzung bewusst zu steuern
  • Cross-Geo-Einstellung kritisch prüfen und mit der Compliance abstimmen
  • Data-Teams mit Checklisten zur AI-Readiness ausstatten (z. B. Spaltennamen, AI Data Schema, verifizierte Antworten)

Die Zuweisung über Sicherheitsgruppen nehmen Sie unter Fabric Admin-Portal → Tenant-Einstellungen → Copilot und Azure OpenAI Service vor. Dort wählen Sie die gewünschten Sicherheitsgruppen aus. Damit haben nur deren Mitglieder Zugriff auf Copilot, auch wenn der Dienst im ganzen Tenant sichtbar ist.

Wer tiefer einsteigen möchte, findet Einzelheiten zur Aktivierung und zu den Voraussetzungen im Artikel auf Microsoft Learn.

Copilot in Power BI ist kein Selbstläufer

Copilot in Power BI und Fabric wirkt auf den ersten Blick wie Plug & Play. Ob es tatsächlich etwas bringt, entscheiden aber Governance, Datenqualität und eine durchdachte Steuerung. Wer als Admin einfach alles global freigibt, hat schnell eine unkontrollierte Nutzung und enttäuschende Ergebnisse. In den vergangenen Monaten habe ich mehrfach erlebt, dass ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aus Tenant-Settings, gepflegten Datenmodellen und klar abgegrenzten Nutzergruppen die Sicherheit erhöht und zugleich die Akzeptanz im Unternehmen spürbar steigert. Mit etwas Vorbereitung und den richtigen Stellschrauben bringt Copilot in Power BI echten Mehrwert, ohne Governance und Compliance aufs Spiel zu setzen.