In meiner Beratungspraxis kam in den vergangenen Monaten kaum eine Frage so häufig auf wie die, wie sich der Einsatz von Microsoft 365 Copilot organisatorisch und technisch begleiten lässt, ohne die Kontrolle über sensible oder unpassende Inhalte zu verlieren. Vor allem in größeren Unternehmen mit aktiven Betriebsräten herrscht die Sorge, dass durch KI-Interaktionen neue Grauzonen entstehen. Mit Communication Compliance Copilot im Purview-Portal stellt Microsoft ein Werkzeug bereit, das neben klassischer Kommunikation inzwischen auch Prompts an generative KI und deren Antworten kontrolliert. Wer gehofft hatte, Copilot einfach laufen lassen zu können, wird spätestens bei der ersten Abstimmung mit dem Betriebsrat eines Besseren belehrt.

Communication Compliance Copilot prüft die Sprache in Prompts und Antworten

Data Security Posture Management (DSPM) für AI konzentriert sich vor allem auf Datenflüsse und Modellnutzung. Communication Compliance Copilot setzt dagegen dort an, wo Sprache und Kontext entstehen, also bei den Texten, die Nutzer als Prompt an Copilot schicken, und bei den Antworten, die sie zurückbekommen. Erkennt eine Richtlinie Auslöser wie „unangemessene Sprache“ oder „Offenlegung vertraulicher Informationen“, landet die betreffende Copilot-Interaktion beim Reviewer-Team zur Prüfung. Das Prinzip kennt man von Teams-Chats und E-Mails. Neu ist lediglich, dass es hier um Inhalte geht, die eine KI erzeugt oder angeregt hat.

Mein Tipp: In vielen Tenants, die ich begleite, hat sich ein enger Austausch zwischen Security-Team und Betriebsrat sehr bewährt, um vernünftige Schwellenwerte und den Scope der Überwachung festzulegen. Es ist besser, vorab klar zu regeln, was tatsächlich geprüft wird, als später Grundsatzdiskussionen zu führen.

Die Richtlinie selbst legt man im Purview-Portal unter Communication Compliance an. Dort wählt man eine Vorlage für generative KI, bestimmt Reviewer und Geltungsbereich (etwa Benutzergruppen im Pilotbetrieb) und passt die Optionen zur Pseudonymisierung bzw. zum Datenschutz an. Diesen letzten Schritt sollte man auf keinen Fall überspringen. Wer Copilot mit klaren Grenzen einsetzen will, kommt an diesem Baustein also nicht mehr vorbei.

Im Beispiel-Workflow landet eine Copilot-Interaktion beim Reviewer-Team

Den Ablauf habe ich zur Veranschaulichung in einem einfachen Diagramm skizziert:

flowchart TD
User["Benutzer sendet Copilot-Prompt"]
Copilot["Copilot verarbeitet Prompt"]
Result["Copilot gibt Antwort zurück"]
Compliance["Communication Compliance prüft Prompt & Antwort"]
Reviewer["Reviewer-Team erhält Meldung"]
User --> Copilot --> Result --> Compliance --> Reviewer

Abbildung: Vereinfachter Ablauf der Prüfung von Copilot-Interaktionen in Communication Compliance.

Die Richtlinien verwenden dieselbe Inhaltserkennung wie bei den klassischen Kanälen, lassen sich aber gezielt für generative KI konfigurieren (offizielle Dokumentation).

Die Einrichtung umfasst Richtlinie, Reviewer, Scope und Datenschutz

Los geht es im Purview-Portal unter Communication Compliance → Richtlinien. Seit Frühjahr 2026 bietet Microsoft dort eine eigene Vorlage für Copilot-Prompts und -Antworten an, die unter anderem toxische Sprache, sexuelle Anspielungen oder Compliance-Risiken erkennt. Danach bestimmt man die Reviewer, zum Beispiel Security Compliance Officers oder ein gemischtes Team mit HR. Den Scope sollte man anfangs unbedingt auf einzelne Testgruppen beschränken. Einen unternehmensweiten Rollout braucht es in den meisten Fällen nicht, und sinnvoll ist er auch selten.

Beim Datenschutz kommt es vor allem auf zwei Einstellungen an, nämlich auf die Pseudonymisierung der Benutzernamen in Fällen, die im Review landen, und auf die Festlegung, wer Zugriff auf auswertbare Inhalte erhält. Gegenüber dem Betriebsrat ist hier Transparenz Pflicht. Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Beitrag „Copilot works council: Technical controls in practice“ konkrete Hinweise, wie sich datenschutzkonforme Betriebsvereinbarungen formulieren lassen.

Eine Richtlinie könnte etwa so aussehen (Purview-Portal, Bereich Communication Compliance → Richtlinie erstellen):

  • Vorlage: Generative KI
  • Kommunikationskanal: Copilot-Prompts und -Antworten
  • Scope: Pilotgruppe (z. B. IT und HR)
  • Reviewer: Compliance-Team
  • Datenschutz: Pseudonymisierung aktiv

Treffer erscheinen wie gewohnt im Review-Dashboard. Dort können Reviewer die Inhalte mit Trainingsdaten abgleichen und Maßnahmen empfehlen oder direkt einleiten.

Für Datenflüsse und Schatten-KI ist DSPM das passendere Werkzeug

Um die Nutzung von KI-Modellen, Prompt Injection oder Risiken durch Schatten-KI nachzuvollziehen, ist Communication Compliance Copilot nicht gedacht. Dafür hat Microsoft Purview eigene Module (DSPM für AI), die stärker auf Datenklassifizierung, Zugriffsrechte und Modellüberwachung ausgerichtet sind. Wer etwa herausfinden möchte, welche sensiblen Informationen über Copilot in externe Kanäle gelangen könnten, wird mit Communication Compliance Copilot nur bedingt glücklich. Für diese Aufgabe eignen sich DLP-Richtlinien und KI-bezogene DSPM-Regeln deutlich besser.

Die meisten Missverständnisse, die mir in Projekten begegnen, entstehen dann, wenn jemand Communication Compliance Copilot für ein Allheilmittel gegen jede Art von KI-Risiko hält. Seine Stärke ist die Inhaltskontrolle anhand vordefinierter oder anpassbarer Muster. Für die Governance ganzer Datenflüsse oder für Echtzeit-Prävention ist es dagegen nicht gebaut.

Pragmatisch eingesetzt ist Communication Compliance Copilot ein nützlicher Baustein

Für Unternehmen, die Copilot produktiv einführen und dabei Governance- und Datenschutzanforderungen erfüllen wollen, ist Communication Compliance Copilot ein praktischer Baustein, aber kein Ersatz für eine umfassende DLP- oder DSPM-Strategie. Bewährt hat sich ein schrittweises Vorgehen. Man startet mit Pilotgruppen, überprüft die Richtlinien regelmäßig gemeinsam mit dem Betriebsrat und legt die Reviewer-Rollen nicht zu breit an.

Wichtig sind realistische Erwartungen. Communication Compliance Copilot erkennt und meldet kritische KI-Texte und unterstützt beim Umgang damit. Die Verantwortung für Risikobewertung und Maßnahmen trägt aber weiterhin das Unternehmen. Wer das Werkzeug als Governance-Baustein begreift und nicht als Überwachungsmaschine, kann mit Copilot produktiv und datenschutzkonform arbeiten.