Wer die Azure-Kosten der eigenen Umgebung senken will, muss sich früher oder später entscheiden: Azure Savings Plan für Compute oder Azure Reservations? In vielen Tenants, die ich betreue, fallen genau an dieser Stelle die folgenreichsten Entscheidungen, vor allem dann, wenn die Cloud-Nutzung wächst und das Budget trotzdem eingehalten werden muss. Die beiden Sparmodelle unterscheiden sich weniger beim Rabatt als bei Flexibilität, Abdeckungsbereich und der Art des Commitments. Gerade mittelgroße Unternehmen sollten genau hinsehen, denn die alte Faustregel „Reservierung ist immer günstiger“ gilt längst nicht mehr.
Der Azure Savings Plan verbindet ein festes Stundenbudget mit flexiblem Scope
Der Azure Savings Plan für Compute arbeitet anders als die klassische Reservierung. Man verpflichtet sich für ein oder drei Jahre, einen festen Betrag pro Stunde zu verbrauchen, und zwar unabhängig davon, welche Instanz oder Region man nutzt. Gerade diese Freiheit gefällt mir an Savings Plans. Nach dem Kauf rechnet Azure alle berechtigten Compute-Ressourcen (VMs, VMSS, App Service Environments, Azure Functions Premium usw.) im gewählten Scope automatisch zu Savings-Plan-Preisen ab, egal wie oft Workloads wechseln oder skalieren. Am meisten bringt das meiner Erfahrung nach in Umgebungen mit schwankender Last und in Modernisierungsprojekten, in denen sich noch niemand auf feste Sizing-Profile festlegen möchte.
Ein wesentlicher Unterschied betrifft den Geltungsbereich, den „Scope“. Savings Plans lassen sich für die gesamte Abrechnung (shared), für eine Managementgruppe, ein einzelnes Abonnement oder sogar für eine Resource Group buchen. Klassische Reservierungen kann man deutlich gröber zuweisen, insofern ist das ein echter Fortschritt. Die Einzelheiten beschreibt Microsoft im offiziellen Überblick zum Savings Plan.
Das folgende Diagramm zeigt, wie Commitment, Scope und Abrechnung zusammenhängen. Je nach gewähltem Scope greift das Commitment des Savings Plans in unterschiedlichen Verantwortungsbereichen.
flowchart TD
Commitment["Commitment €/h"] --> Scope["Scope wählen"]
Scope --> Shared["Abrechnung (shared)"]
Scope --> MgmtGrp["Managementgruppe"]
Scope --> Sub["Abonnement"]
Scope --> RG["Resource Group"]
Shared --> Ressourcen["Compute-Ressourcen"]
MgmtGrp --> Ressourcen
Sub --> Ressourcen
RG --> Ressourcen
Abbildung: Azure-Savings-Plan-Commitment und Zuweisung auf Scopes
Azure Reservations bringen die höchsten Rabatte bei weniger Spielraum
Für Workloads, die über lange Zeit stabil laufen, liefern Azure Reservations weiterhin die höchsten Rabatte (bis zu 72 %). Dafür legt man sich auf eine bestimmte VM-Größe, eine Region und optional ein Betriebssystem fest, und spätere Änderungen sind nur begrenzt möglich. Viele Teams schrecken vor dieser Bindung zurück, sobald Umstellungen, Migrationen oder dynamische Skalierung anstehen. Für gut planbare Workloads im Dauerbetrieb bleibt die Reservierung trotzdem eine sehr gute Wahl. Neben klassischen VMs profitieren davon auch Storage, SQL-Datenbanken und App-Service-Pläne.
Auch bei Reservierungen kommt es auf den Scope an. Sie gelten entweder für ein Abonnement oder für die gesamte Abrechnung (shared). Nach dem Kauf werden die passenden Ressourcen automatisch günstiger abgerechnet, solange ihre Spezifikationen übereinstimmen. Details und Unterschiede erläutert Microsoft in den Vergleichstabellen und im Leitfaden zu Reservierungen.
Für Reservierungen sprechen außerdem die Regeln zu Umtausch und Rückgabe. Mit gewissen Einschränkungen lassen sie sich tauschen oder anteilig zurückgeben, was hilft, wenn sich Workloads doch ändern und die Reservierung nicht mehr passt. Die jeweils aktuellen Bedingungen sollte man vor dem Kauf im Portal nachlesen.
Der Abgleich von Flexibilität, Rabatt und Scope führt zur richtigen Wahl
Welches Modell zur eigenen Umgebung passt, prüfe ich meist anhand dieser Punkte:
- Der Savings Plan eignet sich für dynamische, wechselnde oder modernisierte Workloads, deren Sizing (noch) nicht feststeht.
- Reservierungen spielen ihre Stärken bei statischen, gut planbaren Ressourcen aus (klassische VMs, Datenbanken, Apps), besonders wenn Region und Größe feststehen.
- Beim Scope ist der Savings Plan flexibler und reicht bis auf die Ebene der Resource Group, Reservierungen sind meist gröber zugeschnitten.
- Der Savings Plan deckt mehr Compute-Dienste ab, Reservierungen gelten dafür gezielter pro Ressourcentyp.
- Den höheren Rabatt bieten meist Reservierungen, der Savings Plan ist dafür vielseitiger einsetzbar.
Mein Tipp aus der Praxis: Am Anfang stehen immer die Empfehlungen im Azure Advisor und die Vorschläge, die der Kaufdialog für Savings Plan oder Reservierung direkt anzeigt. Gibt es genügend historische Nutzungsdaten, liegen diese Vorschläge oft erstaunlich gut.
In mittelgroßen Umgebungen decke ich deshalb häufig zuerst den Grundbedarf mit einem Savings Plan im Shared- oder Managementgruppen-Scope ab. Wo Workloads tatsächlich konstant laufen, ergänze ich gezielt Reservierungen. Daneben gehört es dazu, regelmäßig nach ungenutzten oder verwaisten Ressourcen zu suchen. Wie das geht, beschreibe ich ausführlich im Beitrag Azure: verwaiste Ressourcen mit Resource Graph aufräumen.
Das Monitoring zeigt, was das Commitment tatsächlich abdeckt
Beim Azure Savings Plan für Compute zählt allein das stündlich zugesagte Commitment in Euro. Verbraucht man in einer Stunde weniger, verfällt der Rest. Verbraucht man mehr, wird der Überhang wieder zum normalen Pay-as-you-go-Tarif abgerechnet. Bei Reservierungen ist dagegen die gebuchte Ressource maßgeblich: Läuft sie nicht, gibt es auch keinen Ausgleich. Wie genau abgerechnet wird, macht das Kostenanalyse-Tool im Portal sehr anschaulich sichtbar.
Für die Auslastung nutze ich gern die Metriken im Portal unter „Reservierungen“ oder „Savings Plans“. Dort ist prozentgenau zu sehen, wie weit das Commitment ausgeschöpft wird, und genau diese Zahl braucht man, um nachzusteuern oder die Sparpläne zu verbessern. Außerdem empfehle ich, in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob neue Dienste, Regionen oder VM-Serien hinzugekommen sind oder ob manche nicht mehr vom gewählten Plan bzw. der Reservierung abgedeckt werden.
Der Hybrid Benefit senkt die Kosten zusätzlich
Den Azure Hybrid Benefit sollte man nicht übersehen. Er wirkt als eigene Stellschraube, unabhängig von Savings Plan oder Reservierung. Wer eigene Windows-Server- oder SQL-Server-Lizenzen mit Software Assurance besitzt, kann sie im Portal für unterstützte VMs oder Dienste aktivieren und spart damit noch einmal. Savings Plan und Reservierung profitieren gleichermaßen davon, wenn der Hybrid Benefit eingeschaltet ist. Eine sorgfältige Prüfung lohnt sich also, wenn man das volle Sparpotenzial ausschöpfen will.
Ich kombiniere beide Modelle und passe sie regelmäßig an
Aus vielen Projekten habe ich eines mitgenommen: Das eine richtige Modell gibt es nicht, es kommt auf die Kombination an. In nahezu jeder realen Umgebung fahre ich mit einem flexiblen Ansatz am besten. Den Grundbedarf deckt ein Savings Plan, stabil laufende Workloads sichere ich punktuell mit Reservierungen ab, und bei neuen Projekten oder veränderten Anforderungen justiere ich nach.
Kein Commitment-Modell hilft allerdings, wenn im Tenant veraltete, vergessene oder sogar verwaiste Ressourcen weiterlaufen. Wer dieses Thema noch nicht im Griff hat, findet in meinem Beitrag Azure: verwaiste Ressourcen mit Resource Graph aufräumen einen guten Einstieg. Auch der beste Sparplan rechnet sich erst, wenn man nur für das bezahlt, was man tatsächlich braucht.


