Zum Jahreswechsel stellen sich viele IT-Abteilungen und Cloud-Teams ganz konkret die Frage, wie sie ihre Azure-Kosten senken können. In den Tenants, die ich mir anschaue, zeigt sich dabei fast immer dasselbe Bild. Ganz gleich, ob das Budget gegen Jahresende knapp wird oder der neue Rahmen gerade festgelegt ist – ein genauer Blick auf die bestehenden Abos und Ressourcen lohnt sich. Meist wird schnell klar, dass sich mit gezielten Maßnahmen erstaunlich viel Geld sparen lässt, oft ohne dass der Betrieb spürbar darunter leidet. Im Folgenden beschreibe ich, wie ich mit Microsoft Cost Management, Azure Policy und Advisor die Kosten in den Griff bekomme und welche typischen Stolperfallen sich dabei vermeiden lassen. Die Ansätze haben sich in meinen Projekten bewährt.
Cost Management und Budgets schaffen den nötigen Durchblick
Microsoft Cost Management ist für mich das wichtigste Werkzeug, um die eigenen Azure-Ausgaben transparent zu machen. In den Analyseansichten der Kostenverwaltung filtert man die Ausgaben nach Abonnements, Ressourcengruppen, Tags und Zeiträumen und erkennt so Trends. Der Beginn des neuen Budgetjahres ist ein guter Zeitpunkt, um für die wichtigsten Abonnements und Ressourcengruppen Budgets festzulegen. Diese lassen sich mit Action Groups und Alerts verknüpfen. Überschreiten die Kosten einen Schwellenwert, verschickt Azure dann E-Mails und kann zum Beispiel auch automatisierte Prozesse oder Runbooks anstoßen.
Wer das bisher nicht eingerichtet hat, findet in Microsofts Anleitung einen guten Einstieg. Ich lege Budgets meist schon auf Ebene der Ressourcengruppe an, damit ich einzelne Projekte oder Teams gezielt steuern kann. So entsteht ein Überblick, und die Fachbereiche achten häufig auch von sich aus stärker auf ihre Cloud-Ausgaben.
Praxistipp: Legt die Budgets so an, dass ihr früh genug vor dem Limit eine Warnung bekommt, zum Beispiel bei 80 % und 95 %. Hinterlegt in den Action Groups außerdem mehrere Empfänger, etwa die Verantwortlichen aus der IT und aus dem Projekt.
Azure Policy ordnet die Kosten über Tags dem richtigen Verursacher zu
Ohne durchdachte Tagging-Strategie bleibt ein großer Teil der Kosten im Dunkeln. Ich rate grundsätzlich dazu, mindestens die Tags costCenter und owner zur Pflicht zu machen. Azure Policy eignet sich dafür sehr gut. Mit einer passenden Richtlinie stellt man sicher, dass neue Ressourcen diese Tags tragen, entweder direkt beim Anlegen oder nachträglich per Remediation. In der Praxis sind es häufig fehlende oder falsche Tags, die Auswertung und Kostenzuordnung erschweren. Wer einmal damit anfängt, bringt schnell Ordnung in die Umgebung und kann Verantwortlichkeiten eindeutig zuweisen.
Hier ein einfaches Beispiel für eine Azure-Policy-Initiative, mit der sich die Tags costCenter und owner erzwingen lassen:
{
"if": {
"allOf": [
{"field": "tags['costCenter']", "exists": "false"},
{"field": "tags['owner']", "exists": "false"}
]
},
"then": {
"effect": "deny"
}
}
Damit lässt sich verhindern, dass überhaupt Ressourcen ohne korrekte Tags entstehen.
Azure Advisor und feste Routinen spüren Kostenfallen auf
Die meisten Azure-Umgebungen wachsen über die Jahre, und mit der Zeit sammeln sich „tote“ Ressourcen an, etwa ungenutzte VMs, verwaiste Festplatten oder öffentliche IPs. Hier setzt der Azure Advisor an. Er zeigt, wo sich durch Rightsizing, Abschalten oder Entfernen ungenutzter Komponenten Geld sparen lässt. Besonders nützlich finde ich seine Empfehlungen zum Downsizing von VMs, zum Abschalten nicht genutzter Instanzen und zur Storage-Optimierung, zum Beispiel durch das Löschen verwaister Managed Disks.
In Entwicklungsumgebungen lohnt es sich, für VMs die Auto-Shutdown-Funktion zu aktivieren. Dann laufen Testsysteme nicht versehentlich das ganze Wochenende durch. Zusätzlich nehme ich mir mindestens einmal im Quartal gezielt die Empfehlungen des Advisors vor. Dabei tauchen fast immer typische „Kostenleichen“ auf, etwa alte Backups, vergessene Public IPs oder SQL-Datenbanken ohne Nutzer.
Bei dauerhaft laufenden Workloads zahlt sich die richtige Einkaufsstrategie aus
Für produktive Workloads, die dauerhaft laufen, kommen Azure Reservations oder Savings Plans infrage. Beide gewähren deutliche Rabatte gegenüber der Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung (Pay-as-you-go). Reservations sind allerdings an bestimmte VM-Typen und Regionen gebunden, während Savings Plans bei VM-Größen und Diensten mehr Spielraum lassen. Im Small- und Midmarket genügt oft ein einjähriges Commitment, bei größeren, stabilen Umgebungen rechnen sich meist drei Jahre.
Für die Entscheidung empfehle ich häufig einen einfachen Ablauf:
flowchart TD
Bedarf["Dauerhafter Bedarf?"] -->|"Ja"| Next["Spezifischer VM-Typ?" ]
Bedarf -->|"Nein"| NichtEmpfohlen["Kein Commitment"]
Next -->|"Ja"| Reservation["Reservation"]
Next -->|"Nein"| SavingsPlan["Savings Plan"]
Abbildung: Entscheidungsbaum für Reservation, Savings Plan oder On-Demand.
Über Cost Management verfolge ich anschließend, wie stark sich die Sparmaßnahmen tatsächlich auswirken.
Eine kleine FinOps-Routine genügt für überschaubare Azure-Umgebungen
Eine FinOps-Routine einzuführen, erfordert keinen großen Aufwand. Mit diesem kleinen Ablauf habe ich gute Erfahrungen gemacht:
- Monatliche Kostenanalyse in Cost Management
- Kontrolle der Budgets und Alerts
- Durchsicht der Advisor-Empfehlungen
- Suche nach verwaisten Disks und IPs
- Überprüfung der Tagging-Qualität
Wer das regelmäßig erledigt, also monatlich oder zumindest einmal im Quartal, senkt die Azure-Kosten nicht bloß auf dem Papier, sondern tatsächlich. Gerade kleinen und mittleren Unternehmen fehlt oft die Zeit für aufwendige FinOps-Prozesse. Mit dieser Routine behalten sie das Budget trotzdem im Griff, und es geht nichts unter.
Kostensenkung in Azure bleibt nach meiner Erfahrung eine Daueraufgabe
Azure-Kosten zu senken, ist kein einmaliges Projekt, sondern eine fortlaufende Aufgabe. Die größten Hebel liegen in meiner Praxis immer wieder bei Transparenz, sauberem Tagging und konsequentem Aufräumen. Wer die Werkzeuge von Cost Management regelmäßig nutzt, Budgets und Alerts einrichtet und die Empfehlungen des Advisors ernst nimmt, spart oft schon mit wenigen Maßnahmen beachtliche Summen. Entscheidend ist, dranzubleiben und die Routine im Alltag tatsächlich zu leben. Dann bleibt mehr Spielraum für neue Cloud-Projekte.


