Ende September ist für viele, die Azure einsetzen, ein wiederkehrender Termin. Regelmäßig stehen dann größere Abkündigungen, API-Retirements und Produktänderungen an, und herauszufinden, was davon den eigenen Tenant betrifft, ist selten trivial. In den letzten Wochen kamen bei mir wieder vermehrt Anfragen, wie man zuverlässig ermittelt, welche Azure-Abkündigungen im September 2026 anstehen, ohne dabei etwas zu übersehen. Eine tabellarische Übersicht aller globalen und tenantspezifischen Retirements gibt es nämlich schlicht nicht.

Microsoft verteilt Abkündigungen auf mehrere Kanäle statt auf eine zentrale Liste

Microsoft veröffentlicht Abkündigungen an verschiedenen Stellen: im Azure-Portal über Health Advisories, im Azure Advisor als Empfehlungen und Workbooks, auf der öffentlichen Seite „Azure Updates“ und vereinzelt in der Dokumentation auf Microsoft Learn. Sämtliche globalen Fristen für Produkte und APIs blendet dagegen kein Tenant direkt ein. Deshalb gibt es immer wieder Überraschungen, wenn ein Dienst wie die HTTP Data Collector API zum September 2026 dann tatsächlich abgeschaltet wird (mehr dazu in meinem Beitrag HTTP Data Collector API: Migration auf Logs Ingestion API jetzt planen).

In vielen Tenants, die ich betreue, verlassen sich die Admins noch zu sehr auf Mails oder hoffen, dass globale Änderungen schon irgendwie auffallen. Das klappt in der Praxis nur selten. Wer sicher gehen will, prüft regelmäßig drei bis vier Quellen oder lässt sich besser gleich automatisch informieren.

Die Health Advisories in Service Health zeigen, was das eigene Abo betrifft

Am direktesten kommt man über das Azure-Portal an die Informationen (Rolle: mindestens Reader im Abo). Unter „Service Health“ → „Health advisories“ findet sich für jedes eigene Abo eine gefilterte Übersicht aller aktiven und vergangenen Hinweise, die den Tenant oder bestimmte Ressourcen betreffen. Praktisch ist, dass dort auch konkrete Retirement-Meldungen auftauchen, sobald eine Ressource tatsächlich betroffen ist.

Ich suche dort gezielt nach Advisories mit Schlagworten wie „retirement“, „deprecated“ oder „service change“. Die Überschrift allein reicht dabei nicht, man sollte auch die Details lesen. Dort stehen oft die konkret betroffenen Ressourcen, Regionen oder Subscriptions. Für die HTTP Data Collector API, die im September 2026 abgekündigt ist, erschien zum Beispiel schon im Frühjahr ein Advisory mit klaren Hinweisen zur Migration.

Das Retirement-Workbook im Azure Advisor liefert eine tenantweite Übersicht

Viele unterschätzen das Workbook „Service upgrade and retirement“ im Azure Advisor (Azure-Portal → Advisor → Recommendations → Workbook). Es fasst tenantweit alle Empfehlungen zu anstehenden Service-Upgrades und Abkündigungen zusammen, einschließlich der betroffenen Ressourcen und der empfohlenen Maßnahmen. Bei den zentralen Azure-Diensten funktioniert das nach meiner Erfahrung gut, bei Marketplace-Ressourcen oder sehr spezialisierten APIs ist die Abdeckung dagegen lückenhafter.

Praxis-Tipp: Wer im Advisor-Workbook regelmäßig nach Retirements filtert, bemerkt viele Fristen deutlich früher als über E-Mail-Ankündigungen oder Newsbeiträge. Das gilt besonders für Dienste, die automatisiert laufen und kaum jemand im Portal ansieht.

Die öffentliche Seite Azure Updates lässt sich nach Retirements filtern

Die Azure-Updates-Seite ist frei zugänglich und lässt sich gezielt nach „Retirement“-Meldungen filtern. Das funktioniert unabhängig vom Tenant, und man sieht auch geplante Abkündigungen, die noch nicht als Advisory im eigenen Portal angekommen sind. Oft fehlen dort zwar die betroffenen Regionen oder Angaben zu einzelnen Ressourcen, für den ersten Überblick führt an der Seite aber kein Weg vorbei.

Gerade wer international aufgestellt ist oder viele Subscriptions verwaltet, sollte sich diesen Filter als Lesezeichen speichern. Ich schaue mindestens einmal im Monat hinein und gleiche die Einträge mit den Advisories im eigenen Tenant ab. Allgemeine Hinweise bietet zusätzlich die Learn-Doku zum Planen von Migrationen bei Azure-Retirements.

Service Health Alerts warnen automatisch vor neuen Abkündigungen

Am wenigsten Aufwand hat man, wenn man im Azure-Portal Health Alerts einrichtet (Rolle: mindestens Contributor im betroffenen Abo). Damit lassen sich Benachrichtigungen über neue Advisories, vor allem über „retirement“-Events, per Mail oder SMS verschicken oder an Logic Apps/Teams weiterleiten.

Dazu ruft man im Azure-Portal unter „Service Health“ den Punkt „Alerts“ auf und legt eine neue Regel an. Im Dialog wählt man „Service issues“ aus und setzt unter „Event type“ den Filter auf „Health advisories“. In den Textfilter würde ich Begriffe wie „retirement“, „deprecate“ und „end of support“ eintragen.

So sieht eine solche Regel typischerweise aus:

{
  "eventType": "Health Advisory",
  "searchText": "retirement"
}

Mit dieser Konfiguration gehen alle neuen Retirement-Advisories für das Abo künftig automatisch raus. Den Versand sollte man unbedingt testen und die Benachrichtigungsgruppe aktuell halten, sonst verschwinden kritische Hinweise, ohne dass sie jemand liest.

Ein Diagramm zeigt das Zusammenspiel der vier Quellen

Das folgende einfache Diagramm zeigt, wie die verschiedenen Informationsquellen für die Azure-Abkündigungen im September 2026 zusammenwirken:

flowchart TD
    AzureUpdates["Azure Updates Seite"] --> Admin["Admin prüft Retirements"]
    ServiceHealth["Service Health (Advisories)"] --> Admin
    AdvisorWorkbook["Advisor Retirement-Workbook"] --> Admin
    HealthAlerts["Service Health Alerts"] --> Admin

Abbildung: Informationsquellen für Azure-Retirements – keine ersetzt eine andere, erst gemeinsam ergeben sie den vollständigen Überblick.

Feste Abläufe bewahren vor hektischen Last-Minute-Migrationen

Wer sich bei den Azure-Abkündigungen im September 2026 auf eine einzige Informationsquelle verlässt, übersieht schnell etwas. In meinen Projekten arbeite ich deshalb immer auf drei Ebenen: Ich sichte öffentliche Ankündigungen möglichst früh, prüfe Advisories und Advisor-Workbooks im Tenant regelmäßig und richte Health Alerts als Sicherheitsnetz ein. Auf diese Weise fallen Fristen wie beim Retirement der HTTP Data Collector API rechtzeitig auf, und Migrationen lassen sich in Ruhe planen. Wer noch keine Workbooks und Alerts nutzt, sollte das bald nachholen, denn die nächste Abkündigung lässt nicht lange auf sich warten. Für genaue Termine und tenantbezogene Deadlines verweise ich immer auf die aktuellen Hinweise im Azure-Portal und auf Azure Service Health.