In den letzten Wochen wurde der Agent-Modus in Word und Excel schrittweise aus dem Frontier-Programm heraus für weitere Nutzer freigegeben. In einigen Tenants, die ich betreue, erscheinen die erweiterten Copilot-Funktionen inzwischen bei berechtigten Benutzern direkt in der Oberfläche. Die Reaktionen schwanken zwischen Begeisterung und Unsicherheit. Das ist verständlich, denn der Agent-Modus analysiert Dokumente und Arbeitsmappen und bearbeitet sie auch selbstständig. Bei mehrschrittigen Aufgaben, für die im Hintergrund komplexe Prompts entstehen, kann er Zahlen, Formeln oder ganze Textabschnitte verändern. Vor allem bei Excel-Tabellen mit kaufmännischen oder kritischen Inhalten fragen sich viele sofort, wie sicher das ist und ob der Anwender die Kontrolle behält.

Copilot arbeitet im Agent-Modus mit den Rechten des Nutzers

Im Agent-Modus führt Copilot die Bearbeitung in mehreren Schritten direkt im geöffneten Dokument oder in der geöffneten Arbeitsmappe aus. Was nach Magie aussieht, ist technisch eine Folge von User-Prompts, die jeweils auf die Datenbasis und die Berechtigungen des angemeldeten Nutzers zugreifen. Copilot erreicht also nur Inhalte, für die der Benutzer ohnehin berechtigt ist. Für Governance und Datenschutz ist genau das der wichtigste Punkt. Blind darauf vertrauen, dass jeder Automatismus fehlerfrei arbeitet, sollte man trotzdem nicht, gerade bei größeren Tabellen oder komplexen Dokumenten. Für Plausibilität und Korrektheit bleibt der Anwender verantwortlich. Er muss die Ergebnisse kritisch prüfen, bevor er sie weiterverwendet oder teilt.

Praxistipp: In meinen Projekten hat es sich bewährt, den Umgang mit Copilot-Agenten gezielt zu schulen. Zeigt den Nutzern, wie sie Änderungen nachvollziehen, Zwischenschritte festhalten und den Änderungsverlauf nutzen (z. B. in Excel über „Nachverfolgung“ oder in Word mit „Änderungen nachverfolgen“). So fallen Fehler früh auf.

Der Agent-Modus sieht nicht mehr Daten als der Benutzer selbst

In vielen Unternehmen hält sich hartnäckig die Annahme, Copilot greife im Agent-Modus auf „mehr“ Daten zu als der Benutzer selbst. Das stimmt nicht, denn die Zugriffslogik folgt weiterhin den bestehenden Berechtigungen im Microsoft-365-Tenant. Auch wenn Agenten externe Datenquellen, SharePoint-Seiten oder andere Arbeitsmappen einbeziehen, bestimmen immer die Rechte des Benutzers, was sichtbar ist. Mit diesem Argument lassen sich viele Bedenken ausräumen, die ich aus Abstimmungen mit Betriebsrat und Datenschutz kenne. Sensitivitätsbezeichnungen (Sensitivity Labels) und DLP-Richtlinien greifen weiterhin, dafür sorgt die Architektur von Microsoft 365 Copilot (Microsoft Docs: Copilot Privacy). Öffnet jemand ein als vertraulich gekennzeichnetes Dokument, gelten dieselben Schutzmechanismen wie bisher. Ich rate trotzdem dazu, die DLP-Richtlinien regelmäßig zu prüfen und gezielt an die neuen Szenarien anzupassen, damit Risiken früh auffallen.

Über das Frontier-Programm steuern Admins den Rollout

Auch nach dem Rollout des Agent-Modus in Word und Excel bleibt das Frontier-Programm das wichtigste Steuerungsinstrument. Die Anmeldung läuft zentral über das Microsoft 365 Admin Center. Dort legt man fest, welche Gruppen oder Nutzer neue Funktionen erhalten und ab wann sie diese sehen. Aus der Praxis weiß ich, dass eine schrittweise Freischaltung – zuerst für Power User oder Champions, danach für größere Gruppen – den Lerneffekt und die Akzeptanz steigert. Wer am Frontier-Programm teilnimmt, sollte außerdem den Aufwand für Kommunikation und Schulung nicht unterschätzen. Ohne Einweisung löst der Agent-Modus bei vielen zunächst eher Unbehagen als Freude aus. Gut gefahren bin ich in meinen Projekten mit kurzen Walkthroughs, konkreten Beispielaufgaben und einer FAQ-Seite direkt im Intranet.

Sensitivitätsbezeichnungen und DLP-Regeln bleiben Pflicht

Copilot automatisiert im Agent-Modus beeindruckend viel, an den Anforderungen an Datenschutz und Compliance ändert das aber nichts. Sensitivitätsbezeichnungen einzuführen und DLP-Regeln regelmäßig zu prüfen und nachzuschärfen, gehört zum Pflichtprogramm und ist keine freiwillige Fleißarbeit. Sobald Agenten Berechnungen oder Textänderungen ausführen, können sensible Daten unbeabsichtigt überschrieben oder freigegeben werden. Ich empfehle deshalb, in der Microsoft-Purview-Konsole regelmäßig auszuwerten, welche Inhalte mit welchen Labels bearbeitet wurden (als Einstieg eignet sich mein Beitrag zu Copilot und Sensitivitätsbezeichnungen).

KQL brauche ich für diese Auswertung nicht. Im Microsoft-Purview-Portal wähle ich unter Lösungen → Audit → Suchen einen Zeitraum, unter Aktivitäten – Anzeigenamen zum Beispiel „Datei geändert“ und bei Bedarf einzelne Benutzer aus. Das Ergebnis exportiere ich als CSV und werte es in Excel nach Benutzer und Dokument aus. Dafür muss die Überwachung (Audit) im Tenant aktiviert sein, und das Konto braucht die Rolle Audit Logs bzw. View-Only Audit Logs. Wer lieber mit KQL arbeitet, überträgt die Ereignisse zuerst über den Office-365-Connector in Microsoft Sentinel bzw. in einen Log-Analytics-Workspace. Dort liegen sie in der Tabelle OfficeActivity.

Ein einfaches Diagramm zeigt den Ablauf im Agent-Modus

In Datenschutz- und Admin-Workshops hilft eine schlichte Grafik oft mehr als lange Erklärungen. Das folgende Ablaufdiagramm zeigt, wie der Agent-Modus auf Daten zugreift, Änderungen vornimmt und den Nutzer einbindet.

flowchart TD
    Start["Start: User aktiviert Agent-Modus"]
    CheckPerms["Zugriffsrechte prüfen"]
    AccessData["Datenquellen im Dokument öffnen"]
    AgentWork["Agent führt Bearbeitung aus"]
    UserReview["User prüft Änderungen"]
    Save["Dokument speichern/Freigeben"]

    Start --> CheckPerms --> AccessData --> AgentWork --> UserReview --> Save

Abbildung: Ablauf des Agent-Modus in Word/Excel – Rechte und Kontrolle bleiben beim Benutzer.

Der Agent-Modus spart Zeit, verlangt aber klare Regeln

Für mich ist der Agent-Modus in Word und Excel ein leistungsfähiges Werkzeug, das Zeit spart und wiederkehrende Aufgaben beschleunigt. Ohne verbindliche Spielregeln geht es allerdings nicht. Fehlen eine fundierte Schulung und der deutliche Hinweis, dass die Verantwortung bei den Nutzern liegt, drohen unerwünschte Fehler oder falsche Vorstellungen von der Technik. Ich empfehle, vor der breiten Freigabe eine abgestimmte Governance zu etablieren, Schulungen anzubieten und die Sensitivitäts- und DLP-Regeln gezielt auf Copilot-Szenarien zuzuschneiden. Wer zusätzlich dokumentiert, wie Änderungen nachvollzogen und kontrolliert werden, schafft die Grundlage für einen produktiven und sicheren Einsatz. Weiterführende Informationen bietet etwa die Seite Microsoft 365 Copilot Overview oder mein Beitrag zur Einführung von Copilot für Microsoft 365.