Als Microsoft im März 2026 die Microsoft 365 E7 angekündigt hat, war meine erste Reaktion ehrlich gesagt Skepsis. Noch eine Lizenzstufe über E5, noch mehr Copilot, noch ein neuer Name – „Frontier Suite“. Ich hatte den Verdacht, dass hier vor allem ein Weg gesucht wird, uns KI mit Gewalt aufs Auge zu drücken. Seit der allgemeinen Verfügbarkeit am 1. Mai 2026 habe ich die E7 in mehreren Kundenprojekten eingeführt, bewertet und teilweise auch wieder ausgeredet. Zeit für ein ehrliches Zwischenfazit.

Wer die Grundlagen nachlesen möchte, findet sie in meinem Artikel Microsoft 365 E7 ergänzt E5 um Copilot, Entra Suite und Agent 365. Hier geht es um die Praxis.

Die E7 bündelt, was vorher in vier Verträgen steckte

Der offensichtlichste Mehrwert ist banal, aber im Alltag spürbar. Die E7 fasst Microsoft 365 E5, Microsoft 365 Copilot, die Microsoft Entra Suite und Agent 365 in einer Lizenz zusammen. Bei den meisten meiner Kunden lagen diese Bausteine vorher verstreut: E5 im Enterprise Agreement, Copilot als separates Add-on mit eigener Zuweisungslogik, Entra ID Governance nur für einzelne Abteilungen, Global Secure Access gar nicht.

In den Projekten hat sich gezeigt, dass gerade diese Zersplitterung die Einführung von Copilot gebremst hat. Wer Copilot hatte, aber kein sauberes Berechtigungsmodell, hat schnell gemerkt, wie gut Copilot überteilte SharePoint-Seiten findet. Mit der E7 haben alle Nutzenden dieselbe Grundausstattung, und die Governance-Werkzeuge stehen nicht mehr unter Budgetvorbehalt.

Die Entra Suite hat mich mehr überzeugt als Copilot selbst

Das klingt paradox für eine Lizenz, die als KI-Paket vermarktet wird. In der Praxis haben meine Kunden aber am schnellsten von den Identitätsfunktionen profitiert:

  • Entra ID Governance mit Zugriffsüberprüfungen und Lebenszyklus-Workflows für Ein-, Um- und Austritte. Zu finden im Microsoft Entra Admin Center unter ID Governance → Lifecycle workflows bzw. Access reviews.
  • Entra Private Access als Ersatz für klassische VPN-Lösungen, eingerichtet unter Global Secure Access → Connect → Traffic forwarding.
  • Entra Internet Access für webbasierte Richtlinien direkt am Identitätskontext.
  • Verified ID für die Identitätsprüfung beim Onboarding und bei Kennwort-Resets am Helpdesk.

Gerade die Lebenszyklus-Workflows haben in einem Projekt dafür gesorgt, dass verwaiste Konten ausgeschiedener Mitarbeitender nach Wochen statt Monaten verschwinden. Das ist keine KI, aber es ist die Voraussetzung dafür, dass KI sicher arbeiten kann.

Seit Juli 2026 ist auch die Intune Suite an Bord

Microsoft hat die Intune Suite ab Juli 2026 in E5 integriert und damit auch in die E7. Endpoint Privilege Management, Enterprise App Management, Cloud PKI, Remote Help und Advanced Analytics sind seitdem ohne Zusatzlizenz nutzbar. Bei zwei Kunden konnten wir damit eine Drittanbieter-Lösung für lokale Administratorrechte ablösen. Die Richtlinien legt man im Microsoft Intune Admin Center unter Endpoint security → Endpoint Privilege Management an.

Agent 365 ist der eigentliche Grund für die E7

Nach sechs Monaten bin ich überzeugt, dass Agent 365 der Kern der E7 ist. Copilot allein hätte Microsoft auch weiter als Add-on verkaufen können. Agent 365 dagegen beantwortet eine Frage, die in jedem Unternehmen spätestens dann aufkommt, wenn die ersten Fachabteilungen eigene Agenten in Copilot Studio bauen: Wer weiß eigentlich, welche Agenten es gibt, auf welche Daten sie zugreifen und wem sie gehören?

Agent 365 führt alle Agenten in einem Inventar zusammen, verknüpft sie mit einer eigenen Identität in Microsoft Entra und bindet sie an dieselben Schutzmechanismen, die wir für Menschen schon lange nutzen: Conditional Access, Purview-Richtlinien und Defender-Überwachung.

flowchart TD
  A[Agent erstellt] --> B[Freigabe beantragt]
  B --> C{Prüfung}
  C -->|abgelehnt| D[Agent gesperrt]
  C -->|genehmigt| E[Entra Agent ID]
  E --> F[Conditional Access<br>und Purview DLP]
  F --> G[Überwachung<br>in Defender]
  G --> H[Regelmäßige<br>Überprüfung]
  H -->|nicht mehr benötigt| D
  H -->|weiter benötigt| G

Ein Maschinenbauer hat seine Agenten mit Agent 365 eingefangen

Das eindrücklichste Projekt der letzten Monate war ein mittelständischer Maschinenbauer mit rund 1.800 Mitarbeitenden. Der Kunde hatte Copilot bereits seit einem Jahr im Einsatz und Copilot Studio für alle freigegeben. Das Ergebnis bei der Bestandsaufnahme: knapp 140 Agenten, davon gut die Hälfte ohne erkennbaren Verantwortlichen. Einige griffen auf Konstruktionsdaten in SharePoint zu, einer hatte über einen Konnektor Lesezugriff auf das ERP-System.

Wir sind in vier Schritten vorgegangen.

Zuerst haben wir ein vollständiges Inventar aufgebaut

Im Microsoft 365 Admin Center unter Agents haben wir uns alle Agenten anzeigen lassen, mit Ersteller, Veröffentlichungsstatus und genutzten Datenquellen. Jeder Agent bekam einen fachlichen Verantwortlichen. Agenten, für die sich innerhalb von vier Wochen niemand gemeldet hat, wurden gesperrt und nach weiteren vier Wochen gelöscht.

Danach bekam jeder Agent eine eigene Identität

Die verbliebenen Agenten haben wir mit einer Entra Agent ID versehen. Damit tauchen sie im Microsoft Entra Admin Center als eigene Identitäten auf und lassen sich wie Benutzerkonten in Gruppen, Zugriffsüberprüfungen und Richtlinien einbeziehen. Der große Gewinn: Ein Agent erbt nicht mehr stillschweigend die Rechte der Person, die ihn gebaut hat.

Anschließend haben wir Conditional Access und Purview auf Agenten ausgedehnt

Für Agenten mit Zugriff auf Konstruktionsdaten haben wir eigene Conditional-Access-Richtlinien angelegt (Microsoft Entra Admin Center → Protection → Conditional Access), die riskante Anmeldungen blockieren. In Microsoft Purview haben wir die bestehenden Vertraulichkeitsbezeichnungen und DLP-Richtlinien so erweitert, dass Inhalte mit der Bezeichnung „Streng vertraulich – Konstruktion“ nicht in Agentenantworten landen. Data Security Posture Management for AI im Purview-Portal zeigt seitdem, welche Agenten mit sensiblen Daten in Berührung kommen.

Zum Schluss haben wir einen Freigabeprozess eingeführt

Neue Agenten werden nicht mehr direkt für alle veröffentlicht. Fachabteilungen beantragen die Freigabe, die IT prüft Datenquellen, Konnektoren und Zielgruppe, und erst danach erscheint der Agent im Unternehmenskatalog. Nicht freigegebene Agenten bleiben auf den Ersteller beschränkt. Den ERP-Agenten haben wir übrigens nicht gesperrt, sondern neu aufgebaut – mit eigener Identität, minimalen Leserechten und Protokollierung.

Nach drei Monaten waren noch 46 Agenten aktiv, alle mit Verantwortlichen, alle mit dokumentierten Datenquellen. Die Zahl der Agenten ist seitdem wieder gestiegen, aber diesmal kontrolliert.

Eine „Business Platinum“ für den Mittelstand gibt es nicht

Die häufigste Frage meiner kleineren Kunden lautet: Gibt es das auch als Business-Plan? Die Antwort ist nein. Es gibt keine „Business Platinum“ als bessere Business Premium, die der E7 ebenbürtig wäre. Die Business-Pläne sind auf 300 Nutzer begrenzt, und Microsoft Business Premium enthält weder die Entra Suite noch Agent 365. Auch bei der Geräteverwaltung bleibt es bei Intune Plan 1, die Intune Suite gibt es dort nicht inklusive.

Kleine und mittlere Unternehmen kombinieren deshalb Business Premium mit Copilot als Add-on und ergänzen einzelne Bausteine nach Bedarf. Das funktioniert, ist aber Stückwerk – und gerade die Agent-Governance fehlt in dieser Kombination weitgehend. Wer als KMU ernsthaft mit Agenten arbeiten will, muss sich die Frage stellen, ob der Sprung auf Enterprise-Lizenzen nicht doch sinnvoll ist. Ich hoffe weiterhin, dass Microsoft hier nachlegt.

Die E7 ist leider immer noch kein Rundum-sorglos-Paket

Viele Kunden hatten erwartet, mit der E7 endlich „alles“ zu haben. Das stimmt nicht. Je nach Szenario müssen weiterhin zusätzliche Lizenzen oder Verbrauchsmodelle eingeplant werden:

  • Copilot Credits für die Ausführung von Agenten in Copilot Studio, entweder über Kapazitätspakete oder per Pay-as-you-go über ein Azure-Abonnement.
  • Microsoft Foundry und Azure-Verbrauch, sobald eigene Modelle, Pro-Code-Agenten oder Azure-Ressourcen im Spiel sind.
  • Telefonie in Teams: Teams Phone ist enthalten, Calling Plans bzw. Rufnummern oder Operator Connect kommen extra dazu.
  • Teams Premium für erweiterte Besprechungs- und Webinar-Funktionen.
  • Microsoft Defender for Cloud inklusive Defender for Servers für Azure-, Hybrid- und Multicloud-Workloads.
  • Microsoft Sentinel, das nach Datenvolumen abgerechnet wird.
  • Windows 365 für Cloud-PCs.
  • Purview-Funktionen mit Pay-as-you-go-Abrechnung, etwa für bestimmte KI-Schutzszenarien außerhalb von Microsoft 365.
  • Power Apps und Power Automate Premium für Premium-Konnektoren und eigene Geschäftsanwendungen.
  • Rollenspezifische Copilot-Angebote und Dynamics-365-Lizenzen, etwa im Vertrieb oder Service.

Die Liste ist kein Vorwurf an Microsoft, sondern ein Hinweis für die Budgetplanung. Gerade die Copilot Credits werden unterschätzt: Agenten kosten im Betrieb Geld, auch wenn die Lizenz sie verwaltet. Im Microsoft 365 Admin Center unter Copilot → Billing & usage lässt sich der Verbrauch verfolgen – das sollte man von Anfang an regelmäßig tun.

Meine Befürchtung hat sich nicht bestätigt

Vor sechs Monaten dachte ich, die E7 sei vor allem ein Versuch, uns KI mit Gewalt aufs Auge zu drücken. Heute sehe ich das anders. Die E7 ist die logische und unbedingt notwendige Weiterentwicklung des KI-Hypes. Unternehmen haben in den letzten zwei Jahren Copilot eingeführt und Agenten gebaut, oft schneller, als Sicherheit und Governance nachkommen konnten. Die E7 schließt diese Lücke, indem sie Identität, Datenschutz und Agentenverwaltung in dieselbe Lizenz packt wie die KI selbst.

Wer heute nur Copilot einführt, ohne Agenten zu inventarisieren, mit Identitäten zu versehen und an Richtlinien zu binden, baut sich die Schatten-IT von morgen. Das Beispiel des Maschinenbauers zeigt, wie schnell das geht. Die E7 ist nicht billig und nicht vollständig, aber sie ist zum ersten Mal ein Paket, das KI und Kontrolle gleichzeitig denkt. Für Unternehmen ab einer gewissen Größe, die es mit Agenten ernst meinen, führt aus meiner Sicht kaum ein Weg daran vorbei.